Die erste Gruppentherapie, die erste Symptombegleitung - und ja man kann hier auch lächeln

Dr. Maier- Lenz begrüßte alle Patienten und dann erklärte er Manuela und mir, weil wir neu waren, dass zum Beginn der Gruppe immer zuerst eine Befindlichkeitsrunde stattfand, bei der jeder sagen sollte wie es ihm ging. Nachdem wir diese Runde durchgemacht hatten lenkte Dr. Karschner das Thema auf die letzte Gruppenstunde, wodurch ich eigentlich erstmal nicht mitreden konnte, was mir aber gar nicht so Unrecht war, da ich mich sowieso erstmal einfinden wollte. Irgendwann ging es dann darum, wie es war wenn man Kritik jemandem gegenüber äußern wollte oder wenn man jemandem sagen wollte, dass man von seinen Problemen überlastet war. Da konnte ich mich durchaus irgendwie beteiligen, denn diese Situationen kannte ich zu genüge, denn ich war zu diesem Zeitpunkt ein Mensch, der immer für alle da war, sich die Probleme aller Menschen anhörte und ihnen half, egal wie es mir ging. Und wenn es mir noch so schlecht ging, ich stellte prinzipiell meine Probleme hinten an und war für alle anderen da. Wir diskutierten in der Gruppe viel über dieses Thema und jeder konnte über seine Gefühle erzählen und seine Meinung äußern, das fand ich schön.

Was für mich weniger schön war, war das eine Mitpatientin immer lachte wenn sie erzählte wie sie sich fühlte oder wenn sie von sich erzählte, da ich ihre Probleme sehr nachvollziehen konnte weil sie irgendwie ein bisschen wie meine waren und wenn sie erzählte lachte sie darüber obwohl mir manchmal zum Weinen war, das machte mir schwer zu schaffen. Aber ich konnte ihr das nicht sagen, zu viel Angst hatte ich davor sie zu verletzen. Denn das war ja letztlich ihre Methode mit ihren Gefühlen umzugehen und die konnte ich ihr ja schlecht verbieten, das Recht hatte ich ja nun wirklich nicht.

Deswegen war ich froh, als die Gruppentherapie nach einer Stunde vorbei war, meine erste Gruppentherapiestunde war sehr anstrengend gewesen. Klar, sie hatte mir auch irgendwie geholfen, es tat gut, zu hören dass es anderen Menschen auch so ging wie mir und dass ich vielleicht doch nicht so isoliert war wie ich mich fühlte, aber grade das mit der einen Mitpatientin Annika war ihr Name, machte es für mich irgendwie schwierig und wenn ich ehrlich war freute ich mich nicht wirklich auf Freitag, wenn wieder Gruppe war.

Nach der Gruppe ging ich erstmal mit Elke und Hakan eine rauchen und nun verstand ich sie, denn irgendwie hatte vor allem auch Elke ein Problem mit Annika. Auch Elke machte Annikas Art zu schaffen. Aber ich hatte keine Zeit mehr mich noch groß mit Elke zu unterhalten, denn ich musste los, ich hatte nun zum ersten Mal Symptombegleitung oder auch Bezugspflege.

Als ich nach oben ging wurde ich wieder nervöser. Ich kannte diese Frau Ebling, meine Bezugspflege nicht. Ich hatte sie noch nicht einmal gesehen. Und wo fand diese Symptombegleitung überhaupt statt? Holte sie mich im Zimmer ab oder musste ich zum Stationszimmer oder wieder da wo die Therapeuten ihre Zimmer hatten? Wieder dieses Theater, warum konnte sowas nicht auf dem Plan stehen? Warum hatte mir das niemand gesagt? Aber fragen traute ich mich nicht, schließlich musste ich das doch wissen oder? Ich entschied mich nach langem Hin und Her überlegen dazu, mich so auf den Flur zu stellen, dass ich sehen würde, wenn jemand aus dem Stationszimmer kam und dass ich sehen würde, wenn jemand in den Therapeutenflur ging, so konnte ich die Frau Ebling nicht übersehen, wie ich hoffte. Und tatsächlich mein Plan ging auf. Als Frau Ebling aus dem Stationszimmer kam sah sie mich und sprach mich an.

„Frau Föll?“ Sie lächelte mich lieb an.

„Ja. Hallo.“ Ich lief zu ihr und reichte ihr die Hand. „Ich wusste nicht wo die Symptombegleitung stattfindet und da dachte ich, ich stell mich einfach mal in die Mitte.“ Schüchtern sah ich sie an.

„Hat ja geklappt, wir haben uns ja gefunden.“ Wieder lächelte Frau Ebling lieb. Im ersten Moment war mir diese Frau sehr sympathisch. Sie zeigte wenigstens mal ein paar Gesichtsregungen, im Gegensatz zu Fr. Raumann. Vielleicht konnte ich ja wenigstens die Bezugspflege nutzen. Denn im Moment war ich mir ja noch ziemlich unsicher ob die Einzeltherapie was bringen würde.

Wir gingen in einen der zwei Räume die kurz vor der Gemeinschaftsküche der Patienten waren. Hierfür waren also diese Zimmer, jetzt wusste ich das auch. Frau Ebling lies mich vorgehen und ich wählte automatisch wieder den Platz an dem ich die Türe sah. Die beiden Räume in dem die meisten Symptombegleitungen stattfanden sahen ziemlich gleich aus. Es waren kleine ziemlich quadratische Räume, mit einer Fensterfront. Gegenüber der Fensterfront standen ein kleiner Tisch und zwei Stühle und es stand ein Regal drin. Sonst war in diesem Raum eigentlich nichts, aber mehr brauchte es ja eigentlich auch nicht.

 

Die Symptombegleitung begann ziemlich entspannt. Zuerst erklärte mir Frau Ebling mal was das eigentlich war, worum es in der Symptombegleitung ging und wie das so ablief.

Sie erklärte mir, dass die Bezugspflege eigentlich so eine Art Einzeltherapie war, nur eben mit einer Pflegekraft. Sie wollte versuchen sich mit Fr. Raumann abzustimmen, manchmal würden wir die gleiche Sachen besprechen, manchmal aber auch komplett andere, letztendlich war ich diejenige, die bestimmte, welche Themen in der Bezugspflege dran kamen. Dann wollte sie erstmal mehr von mir wissen. Ich sollte erzählen, was ich über mich erzählen wollte.

 

Und ich begann wieder zu erzählen, von meinen Geschwistern, meinen Eltern, meiner Nichte und von meinem Leben, dass ich irgendwie immer versuchte es allen Recht zu machen nur mir nicht. Dass ich versuchte für alle da zu sein, nur nicht für mich selbst. Dass ich mir manchmal mehr Platz für mich in meiner Familie wünschte. Ich erzählte ihr wie das alles angefangen hatte, als mir bewusst wurde, wie schlecht es mir ging. Dass ich nach diesem Abend im November nicht mehr in der Lage dazu gewesen war, meine Gefühle zurück zu drängen, dass ich immer tiefer in dieses Loch gerutscht war, ich das Gefühl hatte alles war sinnlos, dass ich mich nur noch für alle als Belastung fühlte. Ich war selbst ganz schön erschrocken, wie nüchtern ich mittlerweile darüber sprechen konnte. Aber ich wollte kämpfen, gerade jetzt wo ich das Gefühl hatte, dass es jemanden gab, von dem therapeutischen Team, den ich ganz gut leiden konnte.

 

Frau Ebling hatte mir aufmerksam zugehört, wenn ich versucht hatte stark rüberzukommen und ein wenig sarkastisch war, hatte sie gelächelt, sie hatte mitfühlend geschaut und trotzdem immer wieder auch gegrinst, was ich sagen will, sie zeigte Gefühlsregungen, dass machte sie mir erstmal sympathisch. Und ich hatte das Gefühl sie verstand meinen Sarkasmus und meine Ironie mit der ich manchmal sprach.

Nachdem ich erzählt hatte war die Zeit für die Bezugspflege schon fast um, diese Sitzungen gingen ebenfalls 45 Minuten. Frau Ebling war allerdings wichtig, dass ich mich hier auf mich konzentrierte und auf meine Therapie, das sagte sie mir auch deutlich, denn nach meinen Erzählungen hatte sie das Gefühl dass ich dazu neigen könnte 20 andere Mitpatienten mittherapieren zu wollen.

Ich versicherte ihr aber dass ich vorhatte mich hier nur auf mich zu konzentrieren und dass war zuerst auch mal mein Plan. So hatte ich das wirklich vor, dass mir das oftmals, gerade in den ersten Wochen wenig gelingen würde, dass wird später noch deutlich werden, aber in diesem Moment wollte ich mich wirklich auf mich konzentrieren. Das sagte ich ihr auch so.

Irgendwie hatte ich nach dem Gespräch dann allerdings Angst, dass sie jetzt glaubte ich hätte das nur gesagt, weil sie das bestimmt hören wollte. Aber ich versuchte mich nicht weiter damit zu beschäftigen. Nachdem ich die Bezugspflege hinter mich gebracht hatte ging ich erst in aller Ruhe eine rauchen, dann war auch schon fast Zeit fürs Mittagessen.

2 Kommentare 19.11.12 19:05, kommentieren

Entspannend ist anders...

So nachdem ich einige Zeit pausiert hab, einfach weils mir nich so gut ging, jetzt ein neuer Teil :-) 

 

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Als nächstes sollten wir unsere Füße flach ablegen, unsere Hände auf den Bauch legen und ruhig ein- und ausatmen und uns dabei vorstellen, unser Bauch wäre eine Ballon, der sich immer auf und ab bewegte.

Währenddessen ging Frau Lachenmann zu jedem Einzelnen hin und fasste an die Füße, wer das nicht wollte sollte ihr das kurz deutlich machen.

 

Sie fing auf der mir gegenüberliegenden Seite an, während sie so von Patient zu Patient ging war ich unheimlich nervös. Warum fasste sie uns an die Füße? Wollte ich das? War sie böse wenn ich nein sagte? War es gut wenn ich beim ersten Mal nein sagte?

Als die Therapeutin dann bei mir ankam war ich zu überrumpelt um irgendwie abzulehnen. Letztlich ging es nur darum, die Füße zu entspannen. Was zwar vielleicht leicht gesagt ist, ich aber selbst heute oftmals noch nicht wirklich hinbekomme.

 

Nachdem Frau Lachenmann ihre Runde gedreht hatte, ging es weiter, mit dem Teil, bei dem ich mir in den kompletten 8 Wochen meiner Therapie total bescheuert vorkam. Irgendwann würde ich aber lernen, diesen Teil einfach auszublenden. Aber dazu später mehr. Für den Moment kam ich mir einfach nur blöd vor, aber das konnte ich ja schlecht sagen und ich kam auch nicht auf die Idee, nicht mitzumachen, obwohl Frau Lachenmann vor Beginn des PMR ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass wir nur das machen sollten womit wir uns wohl fühlten.

 

Also lag ich auf meiner Gymnastikmatte und schmatzte, so wie es unsere Therapeutin wollte. Dann machte ich Geräusche wie ein Karpfen im Wasser. Ich runzelte die Stirn und strich sie in Gedanken wieder glatt und ich rümpfte die Nase um sie dann in Gedanken wieder glatt zu streichen. Ich grub mir in Gedanken mit dem Po eine Kuhle in die Matte wie im warmen Sand und ich versuchte mich tiefer ins Kissen fallen zu lassen. Ich kreiste die Schultern ich weichen Bewegungen und ich versuchte noch tiefer ins Kissen zu fallen. Ja, das hört sich alles etwas komisch an. Und genauso fühlte es sich auch an, aber ich machte mit, obwohl ich mich total unwohl dabei fühlte. Perfekte Grundlage um zu entspannen nicht?

Ich war froh als dieser Teil vorbei war. Dann ging es zur aktiven Muskelentspannung. Wir spannten zuerst nacheinander die Füße an, dann nach einander die Arme. Zum Schluss sollten wir den kompletten Körper anspannen und dann wellenförmig wieder entspannen. So sollten wir lernen auch mal los zu lassen, zu entspannen und uns fallen zu lassen. Ich versuchte alles, aber ich schaffte es nicht, nach der Anspannung wieder zu entspannen, weder bei den Füßen, noch bei den Armen, noch als wir den ganzen Körper anspannten und genau das sorgte dann wieder für noch mehr Anspannung, weil ich versuchte dass irgendwie vor meiner Therapeutin zu verstecken, schließlich machte ich ja Fehler wenn ich hier nicht entspannte, oder warum hieß es sonst Entspannungstherapie?

 

Nachdem wir alle Anspannungen wieder los gelassen hatten oder wie in meinem Fall nur versuchten sie zu verstecken sollten wir uns eine bequeme Position suchen und einfach entspannt der Musik zu hören. Einschlafen war erlaubt, aber keine Pflicht.

Ich drehte mich zur Seite und hoffte dass ich wenigstens jetzt ein wenig runter kam, ich stand unter Strom, alles was ich mir seit Wochen wünschte war ein wenig Entspannung und Ruhe, aber ich schaffte das ja noch nicht mal bei der Entspannungstherapie. Mir war zum Weinen, aber ich suchte mich eine bequeme Position und versuchte mich zum Entspannen zu zwingen. Erfolglos wie ich ca. 20 Minuten später feststellen würde, als unsere Therapeutin uns bat langsam wieder „zu uns zu kommen“ und uns nach und nach wieder aufzusetzen.

 

Ich setzte mich schnell auf und war froh, dass diese Zeit der Stille vorbei war. Es war absurd, ich wünschte mir so sehr einfach Ruhe zu haben und mal wieder ein wenig runterzukommen aber wenn ich dann Ruhe hatte und wirklich schöne Entspannungsmusik lief, dann zitterte ich so lange bis ich mich aufrichten durfte. Ich war verzweifelt. Was sollten sie hier von mir denken? Wenn ich nicht mal die meiner Meinung nach einfachste Aufgabe, einfach mal zu entspannen nicht schaffte? Aber ich musste jetzt stark sein. Denn Frau Lachenmann fragte nun jeden in dieser Runde ob er ein wenig entspannen konnte. Ich unterdrückte meine Tränen und sagte ihr dass ich entspannt hatte. Sie war erfreut darüber und ermunterte mich mir selbst auf die Schulter zu klopfen, denn es war ungewöhnlich dass man beim ersten Mal entspannen konnte.

Dieser Satz drehte mir den Magen fast um. Jetzt hatte ich wahrscheinlich wieder was falsch gemacht. Würden sie jetzt glauben, dass ich die Probleme nur vorspielte?

Ich kommentierte Frau Lachenmanns Ermunterung mit einem „Hm“ versuchte zu lächeln und schaute dann zu Boden, ich war fix und fertig und hatte keine Ahnung wie ich mich verhalten sollte.

Nachdem alle gesagt hatten, wie ihnen die Entspannung gelungen war räumten wir unsere Matten auf und ich verließ dann schon fast fluchtartig den Raum um eine Rauchen zu gehen. Ich unterdrückte die Tränen und als ich am Raucherplatz angekommen war zog ich zitternd an meiner Zigarette, die mir half meine Tränen zu unterdrücken.

Dann zog ich mich auf mein Zimmer zurück, telefonierte mit meiner zweiten Mama, die mir Mut zu sprach und danach machte ich mich gemeinsam mit Elke, Ilona, Anett, Lisa, Tina und den anderen auf den Weg zum Essen. Ich fühlte mich wohl in ihrer Gesellschaft, sie lachten, sie hatten Spaß, dass tat auch mir sehr gut. Außerdem half mir das Dabeisein in der Gruppe dabei durch den Dschungel der Cafeteria zu kommen. Für den Abend luden mich Elke und die Anderen zum Karten spielen ein. Ich wusste nicht ob ich kommen wollte, es reizte mich sehr, die Gesellschaft meiner Mitpatienten und Rauchgefährten tat mir gut, aber ich war nicht so gut im Karten spielen, was war wenn sie mich dann nicht mehr mochten?

Lange saß ich in meinem Zimmer und überlegte ob ich mit den anderen Karten spielen gehen sollte. Ich entschied mich zuerst meiner Familie anzurufen und dann in die Küche zu gehen und mir zumindest mal anschauen, wie das Spiel so ging, ich war ja schließlich nicht blöd, vielleicht würde es mir ja gut tun.

 

Zuerst musste ich aber zuhause anrufen. Eigentlich hatte ich ja nicht wirklich Lust dazu, meine Eltern würden dann nur Fragen was es denn neues gab und ich konnte ihnen doch noch nicht wirklich was erzählen. Aber ich musste anrufen, denn ich wollte unbedingt mit meiner Nichte sprechen, hören ob es ihr gut ging, ihr sagen, dass sie mir fehlte.

 

Nach ca. einer Viertelstunde hatte ich es dann hinter mir. Ich hatte mit meinen Eltern kurz gesprochen und dann telefonierte ich noch ein paar Minuten mit meiner Kleinen. Ich rief dann noch kurz meiner besten Freundin an, aber da sie nicht wirklich viel Zeit hatte machte ich mich dann relativ schnell auf in die Küche wo schon ein paar zusammen saßen.

Ich gesellte mich dazu und sah ihnen eine Weile beim Karten spielen zu. Die Atmosphäre war gut, ich fühlte mich nach und nach wohler.

Nach einer gewissen Zeit spielte ich sogar dann noch ein bisschen mit ihnen. Dann wurde es mir allerdings zu viel und ich verzog mich auf mein Zimmer, wo ich duschen ging und mich dann ins Bett legte. Ich war ziemlich fertig von diesem Tag. Die ständig neuen Aufregungen, diese vielen neuen Leute, die Schwestern waren alle lieb, die die ich kennen gelernt hatte zumindest, aber nahezu jedes Mal wenn ich am Schwesterzimmer vorbei ging oder wenn ich auf dem Flur eine der Schwestern traf, fragte mich eine wie es mir ging, stellte sich mir eine vor oder lächelte mich nett aber immer fragend an. Einerseits tat es gut, dass ich wichtig war, dass man sich für mich interessierte und dass man sich um mich sorgte, aber andererseits war ich total überfordert.

Ich konnte doch nicht ständig erzählen dass es mir nicht gut ging, ich konnte ja nicht mal erklären warum das so war. Irgendwann würden die mich doch sicherlich auch als nervend empfinden oder mich für bekloppt halten. Aber andererseits wie sollte mir geholfen werden wenn ich nicht aufmachte? Über meine Gefühle sprach? Und konnte das mit meiner Therapeutin überhaupt was werden? Konnte die mir wirklich helfen? Warum konnte ich ihr nicht einfach vertrauen? Warum gab es immer diese quälend langen Schweigephasen in den Therapiegesprächen? Bestimmt weil ich nicht einfach erzählte, sondern immer sehr mit meinen inneren Kämpfen beschäftigt war. Aber wenn das so weiter ging, würde sie mich sicherlich bald loswerden wollen. Diese Gedanken quälten mich, dann dachte ich wieder über meine Familie nach, mir fehlte meine Nichte. Mein kleiner Sonnenschein und ich hörte in jedem unserer Telefonate, dass sie mich vermisste. Würde sie das durchstehen? Wie sollte ich die 6 Wochen hier durchstehen? Einerseits fühlte ich mich hier recht wohl, ich kam wider Erwarten sehr gut mit meinen Mitpatienten klar, hatte mich recht gut in die Gruppe eingefunden. Andererseits fehlte mir meine Nichte und mir fehlte das zusammen sein mit meinen Freunden. Mit meiner zweiten Mama. Mir fehlte es, dass mich meine beste Freundin einfach mal in den Arm nahm.

Diese Gedanken kreisten mir durch den Kopf immer wieder aufs Neue. Ich drehte mich von der einen Seite auf die andere. Dann legte ich mich wieder auf den Rücken, wieder auf den Bauch, wieder auf die Seite. Als ich auf die Uhr sah, musste ich feststellen dass ich mich jetzt schon über eine halbe Stunde im Bett quälte. Irgendwann stand ich auf und ging in die Küche, wo bis elf Betrieb war. Dort machte ich mir einen Fencheltee und setzte mich zu den anderen vor den Fernseher. Ich war zu müde um mich zu konzentrieren also ging ich nachdem ich meinen Tee getrunken hatte wieder auf mein Zimmer und beschäftigte mich mit meinem Laptop. Da ich aber irgendwann auch hierfür zu müde war legte ich mich wieder hin und versuchte zu schlafen. Doch in dem Moment in dem ich das Licht ausschaltete gingen die Grübeleien wieder los, sodass ich erst einige Zeit später einschlief.

 

Am nächsten Morgen wachte ich wie gerädert auf. Ich war fix und fertig als ich gegen sechs Uhr wach wurde. So wie ich mich fühlte konnte ich unmöglich aufstehen, doch wenn ich nicht aufstand, wären alle sauer auf mich und ich würde meine Therapie nicht nutzen. Mit diesen Gedanken quälte ich mich eine geschlagene Dreiviertelstunde bis ich schließlich gegen 6:45 Uhr endlich aufstand und mich im Bad anfing zu schminken und meine Haare zu glätten um die Spuren der Nacht wenigstens ein wenig zu kaschieren.

Danach ging ich mit den anderen zum Frühsport. Der wurde heute von einer Physiotherapeutin namens Inge geleitet. Sie erklärte uns zuerst, dass der Frühsport bei ihr ein wenig aktiver gestaltet wurde, dass aber auch hier galt, wir sollten nur das machen wobei wir uns wohl fühlten. Inge war mir unsympathisch, warum kann ich bis heute nicht erklären, aber sie war mir unsympathisch. Ich brachte also den Frühsport wenn auch mehr schlecht als recht hinter mich um mich dann nach 30 Minuten modifiziertem Yoga und Gymnastik um acht Uhr gemeinsam mit den anderen auf den Weg zum Frühstück zu machen. Wie die anderen sagten mussten wir uns heute beeilen, da wir um 8.40 Uhr Stationsgespräch hatten und um 9 Uhr war ja dann Gruppe. Also beeilten wir uns mit dem Frühstück. War mir gar nicht so Unrecht wenn ich ehrlich war, da ich sowieso nicht wirklich der Mensch war, der lange fürs Frühstück brauchte. Morgens wollte ich meine Ruhe und nicht großartig rumquatschen. Nach dem Frühstück ging ich gemeinsam mit Elke und den anderen Rauchern noch gemütlich eine rauchen und dann gingen wir zum Stationsgespräch. Das war dreimal in der Woche, montags, mittwochs und freitags. Ich war relativ nervös, aber meine Mitpatienten erklärten mir, dass es eigentlich nur darum ging, Neuzugänge zu begrüßen und Abgänge zu verabschieden, wenn es welche gab. Außerdem konnte man anmerken, wenn im Zimmer was kaputt war, wenn in den Gemeinschaftsräumen was kaputt war oder das ein oder andere Mal gab es auch Diskussionen, wenn der Küchendienst nicht klappte, denn es war so, dass jeden Tag zwei andere Patienten Küchendienst hatten, also die Spülmaschine ein- und ausräumen mussten und die Tische abwischen sollten nach dem Mittagessen, bei manchen klappte das super, bei anderen auch wieder nicht. Aber sonst war das Frühgespräch ziemlich entspannt oder wie manche meiner Mitpatienten auch meinten unnötig. Ich war nervös, aber auch gespannt. Was mich aber viel nervöser machte war dass ich danach zum ersten Mal Gruppentherapie hatte und dass beispielsweise Elke, Hakan und Lisa, die wohl in meiner Gruppe waren überhaupt keine Lust hatten auf die Gruppentherapie. Dass machte mich wesentlich nervöser, weshalb ich mich auch nicht so gut aufs Stations- oder auch Frühgespräch konzentrieren konnte.

Ich bekam zwar mit, dass ich offiziell willkommen geheißen wurde, aber alles andere ging ziemlich an mir vorbei.

Als wir uns dann fünf vor neun aufmachten zum Gruppentherapieraum zitterte ich mal wieder ziemlich und die Unlust meiner beiden Weggefährtinnen Lisa und Elke machte das nicht wirklich besser. Aber ich versuchte offen in die Gruppe zu gehen. Beim Vorgespräch hatte ich ja einen der Gruppentherapeuten kennen gelernt und der schien eigentlich ganz nett zu sein, womit ich mich versuchte ein wenig zu beruhigen.

 

Der Raum wurde uns von der Sekretärin die grade zufällig vorbei kam geöffnet, sodass wir schon mal reingehen konnten. Ich ging als letzte rein, damit ich sehen konnte wo alle saßen, schließlich wollte ich niemandem den Platz wegnehmen. Als ich hinein kam waren im Stuhlkreis noch drei Plätze frei, ich entschied mich für den zwischen Wolfgang und Gaby. Der Stuhl stand gegenüber der Türe und nachdem ich mir diesen Platz ausgesucht hatte stellte ich fest dass die beiden noch freien Stühle sich gegenüber standen und meine Mitpatienten erklärten mir, dass das die Plätze der Therapeuten waren, die auch kurz darauf den Raum betraten und die Türe schlossen.

2 Kommentare 18.11.12 22:18, kommentieren

Und los geht es mit der Entspannung.

Aber als sich ein Teil meiner Mitpatienten aufmachte ihr Zeug zu holen raffte auch ich mich auf. Ich fragte vorsichtig Elke, die Frau die mir gegenüber saß, was ich denn alles brauchen würde, es war mir sehr peinlich dass ich fragen musste, wenn das jemand vom Pflegeteam mitbekommen würde wären sie bestimmt sauer auf mich. Schließlich musste ich doch wissen was ich mitbringen sollte oder etwa nicht? Ich ging mit Elke den Flur hinunter, sie hatte ihr Zimmer nahe meinem. Derweil erklärte sie mir, dass ich ein Kissen und die Wolldecke die ich von zuhause mitbringen sollte mit zur Progressiven Muskelentspannung, kurz zum PMR oder wie meine Mitpatientin Ilona zu sagen pflegte zum „Pennen“ mitnehmen musste. Dann machten wir uns in einer kleinen Gruppe auf zum PMR, Tina, Elke, Ilona, Franzi, Wolfgang, Hakan und ich. Sie nahmen mir etwas die Nervosität, ich war nämlich extrem nervös, denn ich wusste ja nicht, was jetzt auf mich zukam. Wir gingen wieder zu dem Raum in dem der Morgensport stattfand und der wie mir Elke erklärte auch der Raum für die Tanztherapie war. Das PMR wurde von der Tanztherapeutin geleitet, die Frau, ihr Name war Lachenmann, war mir im ersten Moment ziemlich suspekt. Sie verkörperte durchaus das ein oder andere Klischee einer Therapeutin. Anfangs war es auch ziemlich schwer für mich mit ihr umzugehen, nicht wegen dem PMR, eher wegen der Tanztherapie, aber dazu später mehr. Bei der progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobson handelt es sich um ein Verfahren, bei dem durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden soll. Dabei werden nacheinander die einzelnen Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung wird kurz gehalten, und anschließend wird die Spannung gelöst. Die Konzentration der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen. Ziel des Verfahrens ist eine Senkung der Muskelspannung unter das normale Niveau aufgrund einer verbesserten Körperwahrnehmung. Mit der Zeit soll die Person lernen, muskuläre Entspannung herbeizuführen, wann immer sie dies möchte. Zudem sollen durch die Entspannung der Muskulatur auch andere Zeichen körperlicher Unruhe oder Erregung reduziert werden können wie beispielsweise Herzklopfen, Schwitzen oder Zittern. Darüber hinaus können Muskelverspannungen aufgespürt und gelockert und damit Schmerzzustände verringert werden. Natürlich hatte ich vorher schon im Internet gelesen, was PMR bedeutete und dank Wikipedia wusste ich zumindest ein wenig Bescheid darüber, was passieren würde, doch so wie das PMR war hatte ich es mir definitiv nicht vorgestellt. Der Raum in dem das PMR, die Tanztherapie und auch der Morgensport stattfanden war groß, wenn man rein kam war links eine Fensterfront. Dann war erstmal einfach ein großer Raum. Am Ende des Raumes stand der Schreibtisch unserer Tanz- und Körpertherapeutin Frau Lachenmann. Davor stand ein großes Regal das den Schreibtisch vom Rest des Raumes abtrennte. Gegenüber von dem Schreibtisch von Frau Lachmann war noch ein kleiner Raum in dem Gymnastikmatten lagerten. Als ich zum PMR in den Raum kam lagen die Gymnastikmatten entlang der Fensterfront und entlang der gegenüberliegenden Wand in einer Reihe verteilt. Das hatte ein wenig was von Schullandheim. Die Mitpatienten die ebenfalls zum PMR gingen setzten sich auf ihre Matten. Frau Lachenmann begrüßte mich und sagte ich sollte mir ebenfalls eine Matte aussuchen. Ich suchte mir die Matte zwischen Elke und Tina an der Fensterfront aus und hoffte, dass ich jetzt niemandem seinen Platz weggenommen hatte. Als alle da waren begrüßte Frau Lachenmann alle und hieß Hakan, Wolfgang und mich Willkommen, da wir heute zum ersten Mal dabei waren, dann fragte Frau Lachenmann nach ob jeder sich an seinem Platz wohl fühlte und bat uns dann, uns alle auf den Rücken zu legen und uns mit unseren Wolldecken zuzudecken. Dann legte sie entspannende Musik auf und wir sollten die Füße aufstellen und sie dann langsam von links nach rechts wiegen. In der Mitte sollte man bewusst kurz anhalten. Ich versuchte währenddessen zu entspannen, war aber die ganze Zeit eigentlich damit beschäftigt, mir zu überlegen, ob ich alles richtig machte.

2 Kommentare 11.10.12 19:07, kommentieren

Ned gschompfe isch glob gnug...

„Naja, also mit meiner Mutter zu streiten ist ziemlich schwierig, da sie wenn sie sauer irgendeinen verletzenden Satz sagt und dann einfach nicht mehr mit einem redet. Und mit meinem Vater ist streiten sehr anstrengend, weil er eigentlich alles ausdiskutiert. Aber wenn so ein Streit eskaliert, kann es ziemlich laut und unangenehm werden.“ Ich war unsicher, was sollte ich denn nun erzählen? So oft stritt ich nicht mit meinen Eltern, aber ich hatte viele lauter und harte Streitszenen meiner Eltern mit meiner jüngsten älteren Schwester im Kopf. „Gibt es bei solchen lauten Auseinandersetzungen denn manchmal auch Gewalt?“ Ich versuchte dem Blick meiner Therapeutin zu entkommen, was sollte ich jetzt sagen, wenn ich ihr jetzt die Wahrheit sagte, wie würden denn dann meine Eltern hier da stehen? Andererseits, ich wollte aus diesem Teufelskreis rauskommen, ich wollte gesund werden, dann musste ich auch offen sein. „Ja, es ist schon das ein oder andere Mal vorgekommen dass mein Vater oder meine Mutter uns im Streit eine Ohrfeige gegeben haben. Aber wenn dann eigentlich immer berechtigt.“ „Wie wenn dann immer berechtigt? Was haben sie denn angestellt, dass sie es verdient haben?“ Fr. Raumann sah mich wieder eindringlich an. Was sollte ich ihr denn nun antworten? Keine Ahnung, es gab bei uns viele kleine Situationen die meistens dann im großen Theater endeten. Aber genaue Gründe wusste ich jetzt nicht. Aber ich war der Überzeugung dass wir wenn nur berechtigte Ohrfeigen gekriegt hatten. Ich selbst hatte sowieso nicht so oft eine gekriegt, ich erinnerte mich nur noch an ein Mal, aber warum, daran konnte ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Aber wenn ich richtig nachdachte war ich auch nicht daran interessiert mit meinen Eltern so zu streiten, dass es zu einer Ohrfeige kommen würde. Meistens lenkte ich vorher ein. Meine Schwester Katja, die hat öfters mal eine gefangen. Das letzte Mal als sie so ca. 19 Jahre alt war. Aber was sollte ich denn nun meiner Therapeutin antworten, ich wusste ja auch nicht wirklich warum wir in den einzelnen Situationen manchmal eine gefangen haben aber es musste berechtigt gewesen sein, glaubte ich. „Hm, ich weiß auch nicht mehr. Ich selbst hab mich ja eigentlich auch kaum mit meinen Eltern gestritten.“ Ich hoffte dass ich mit dieser Antwort durchkommen würde. „Das glaube ich jetzt aber eigentlich nicht wirklich. Welche Teenager streitet denn bitte nicht mit seinen Eltern?“ Ich konnte Fr. Raumann nicht ansehen, sie hatte ja Recht, aber ich konnte ihr im Moment einfach nichts darüber erzählen, ich hatte schon genug Schlechtes über meine Eltern erzählt. „Stimmt. Aber ich weiß es im Moment wirklich nicht so richtig. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir nie zu Unrecht eine Ohrfeige gekriegt haben.“ „Sie sind ganz schön hart zu sich selbst, wenn Sie glauben, dass Sie es verdient haben geschlagen zu werden.“ Fr. Raumann sah mich immer wieder an, dann machte sie sich wieder Notizen. Mich würde ja bis heute interessieren, was sie sich nicht so alles aufgeschrieben hat während unseren Therapiesitzungen, aber das werde ich wohl nie erfahren. „Ja, kann sein.“ Was sollte ich denn auch sonst sagen? Ich musste hart zu mir sein, oder was glaubte sie wie ich sonst meinen Alltag schaffte? Ich arbeitete seit ich 16 war neben der Schule und verdiente immer gut Geld und hatte gute Noten, dass ging nur, wenn man sich selbst nicht allzu viele Fehler und Schwächen zugestand. Wieder folgte eine dieser von mir gehassten Schweigephasen. „Okay und wie war es mit Lob in Ihrer Familie? Gab es denn das?“ „Hm naja, eigentlich geht es bei uns zuhause meist nach dem Motto ‚Ned gschompfe isch globt gnug.“ Ja, so war das. Meistens war es selbstverständlich wenn ich etwas gut machte oder wenn ich gute Noten schrieb oder im Haushalt half. Meistens wussten meine Eltern trotz allem noch Verbesserungsvorschläge, egal wie gut ich war. Das war eine alte schwäbische Redensart. Fr. Raumann sah mich fragend an. „Bitte?“ Ich musste grinsen. Okay, es verstand eben nicht jeder dieses extreme Schwäbisch, aber wie sagte man denn dass nun auf Hochdeutsch? Vor allem was musste sie jetzt von mir denken? Warum konnte ich mich nicht einfach normal unterhalten? „Also nicht gemeckert ist gelobt genug. So kann man es eigentlich sagen.“ „Ah okay. Auch nicht so einfach oder?“ „Naja, irgendwie nicht, aber es ist einfach so.“ Klar wollte ich gerne mal Lob hören, gesagt kriegen dass ich was gut gemacht hatte, aber ich hatte meine Eltern wie ich vermutete schon schlecht genug dargestellt und außerdem, wer gab schon gerne zu, dass er auch mal gelobt werden wollte? Vielleicht würde meine Therapeutin ja dann falsch über mich denken. Wieder trat eine längere Pause des Schweigens ein, ich wurde in solchen Situationen immer ziemlich unruhig, was erwartete sie denn jetzt von mir? Sollte ich ihr etwas erzählen? Wenn ja was? Ich war wahrscheinlich die anstrengendste Patientin die sie je behandelt hatte. Aber ich konnte ihr einfach nicht so viel erzählen, vielleicht würde sie ja dann glauben ich war schwach oder ich würde das hier nicht schaffen. Oder sie würde glaube ich hätte total schlimme Eltern, was definitiv nicht der Fall war, ich liebte meine Eltern und ich war mir sicher, dass sie nur mein bestes wollten, sie hatten es eben auch nicht so leicht. Und außerdem machte ich mich angreifbar und verletzlich und viele Menschen hatten diese Situationen ausgenutzt, warum sollte ausgerechnet meine Therapeutin da anders sein? Grade sie, von der ich sowieso die Meinung hatte, dass sie mir nicht helfen konnte. Kurz darauf war die Therapiesitzung dann beendet. Fr. Raumann erklärte mir noch, dass ich sie bis nach dem Wochenende nicht mehr sehen würde, da man in der Woche zweimal Einzeltherapie mit der Bezugstherapeutin hatte. Sie sagte mir aber auch, dass ich mich jederzeit melden sollte wenn es mir nicht gut ging und dass sie dann Zeit für mich finden würde. Ansonsten wünschte sie mir eine angenehme Restwoche und reichte mir dann die Hand. 45 Minuten Therapiesitzung hatte ich hinter mir und ich fühlte mich keinen Deut besser. Im Gegenteil, ich fühlte mich noch schlechter, ich machte ihr die Arbeit bestimmt unglaublich schwer, was sollte Fr. Raumann denn von mir denken? Sie musste mir alle aus der Nase ziehen, sie kam nicht richtig an mich heran. Erwartete man denn hier nicht von mir, dass ich mitarbeitete? Dass ich erzählte, sonst konnten sie mir schließlich nicht helfen. Nach der Therapiesitzung machte ich mir erstmal einen Kaffee. Ich war müde und kaputt, gleich hatte ich Entspannungstherapie, keine Ahnung was das war und keine Ahnung wie ich das durchstehen sollte. Ich wollte mich doch eigentlich nur noch ins Bett verkriechen und schlafen.

24.9.12 15:34, kommentieren

Der Chefarzt und eine weitere Einzeltherapie.

Also begab ich mich kurz vor zwei mit einem extrem mulmigen Gefühl in mein Zimmer. Der Chefarzt kam durch die Zimmer, so hatten es mir meine Mitpatienten erklärt.

 

Um 14 Uhr war ich zur Visite eingetragen und dementsprechend nervös war ich, als um 14:15 Uhr noch immer niemand gekommen war.

 

Hatte man mich vergessen? War ich nicht wichtig? Musste ich mich irgendwo melden? Hatten meine Mitpatienten vielleicht veräppelt und ich musste zum Chefarzt ins Büro kommen?

 

Ich überlegte zum Schwesternzimmer zu gehen, doch ich traute mich nicht, war ich dann aufdringlich? Vielleicht war dem Chefarzt einfach was dazwischen gekommen.

 

Aufdrängen wollte ich mich sicherlich nicht.

 

 

So gegen 14. 25 Uhr kam der Chefarzt dann in Begleitung der Lernschwester und der Stationsleiterin.

 

Ich wusste sofort was meine Mitpatienten gemeint hatten, dieser Mann, Dr. Rischer, er hatte so eine Ausstrahlung, ich kann das bis heute nicht erklären, aber ich konnte mich nie wirklich auf ihn einlassen. Vielleicht lag es daran, dass ich wusste, dass er hier der Chef war.

 

Die Visite war relativ kurz, er fragte mich ob ich gut angekommen war, ob ich Fragen an ihn hatte und wie es mir ging.

 

Ich antwortete ihm, dass ich relativ gut angekommen war, dass es mir nicht sonderlich gut ging, aber dass es erträglich war und dass ich keine Fragen an ihn hatte.

 

Dann fragte er mich noch, ob es einen Grund gab, dass ich als Erste dran kommen wollte, ob ich noch Termine hatte, die Frage beantwortete allerdings die Lernschwester Gott sei Dank für mich. Schließlich war sie auch diejenige gewesen, die mich nach ganz oben geschrieben hatte.

 

Viel Zeit, über die Chefarztvisite nachzugrübeln hatte ich auch nicht, da ich um 15 Uhr ein Einzelgespräch mit meiner Therapeutin hatte.

 

Ich musste bis zur Therapiestunde auch noch diesen Fragebogen ausfüllen, zumindest glaubte ich, dass Fr. Raumann das erwartete, schließlich musste sie mir diesen schon hinterher tragen.

 

 

Doch diesen Fragebogen unter dem Zeitdruck zu beantworten war gar nicht so einfach, ich schaffte es trotzdem.

 

Drei Minuten vor 15 Uhr ging ich dann rüber zu den Therapeutenzimmern.

 

Ich setzte mich wieder auf die Stühle vor dem Chefarztsekretariat. Hatte gestern schließlich auch schon zweimal geklappt.

 

Dort holte mich Frau Raumann auch kurz nach 15 Uhr ab.

 

„Hallo Frau Föll.“ Sie streckte mir die Hand hin.

 

„Hallo.“ Zittrig gab ich sie ihr. Ich war nervös, ich wusste nicht, wie ich Fr. Raumann einschätzen sollte, einerseits fand ich sie sehr nett. Andererseits blieb da mein überhebliches Gefühl, dass sie relativ wenig von ihrer Arbeit verstand.

 

 

„Dann kommen Sie mal. Sie dürfen aber ruhig auch hinten auf den Stühlen warten.“ Fr. Raumann zeigte mir mit ihrer Geste dass wir uns nun wieder auf den Weg zu ihrem Zimmer machen würden.

 

Ich machte mir über diese Aussage schon wieder riesige Gedanken, ich hatte schon wieder was falsch gemacht, was mussten die Therapeuten denn nun von mir denken?

 

 

Als wir in ihrem Zimmer angekommen waren setzten wir uns wieder an den kleinen Tisch.

 

Sie sah mich an, „Wie geht es Ihnen heute Frau Föll?“

 

„Eher nicht so gut.“ Was sollte ich ihr denn auch sagen, im Prinzip ging es mir beschissen, aber wenn ich das sagte, dann würde sie bestimmt denken, dass ich keine Lust auf diese Therapie hatte.

 

„In Ordnung. Sie haben den Fragebogen dabei? Super.“ Fr. Raumann nahm diesen Fragebogen zu ihren Unterlagen. Dann sah sie mich an, ich konnte ihren Blick leider nicht erwidern, ich schaute überall hin, aber immer wieder nur kurz zu ihr.

 

„Wir haben ja gestern schon über ihre Therapieziele gesprochen, für die von Ihnen gewünschten Therapien hab ich Sie auch eingetragen, ich denke die erforderlichen Vorgespräche dafür haben Sie dann diese oder nächste Woche, je nachdem wie es rein passt. Sie haben ja schon geäußert, dass es in Ihrer Familie nicht so einfach für Sie war, erzählen Sie doch mal von Ihrer Familie und warum Sie das so empfinden.“

 

Okay, sie eröffnete das Gespräch, das war für mich schon mal sehr hilfreich.

 

„Ja, also ich bin die Jüngste von vier Mädchen. Und ja, meine älteste Schwester Natalie, also meine Halbschwester hatte in jungen Jahren Bulimie. Sie war halt eben so das erste Problemkind, also Problemkind in Anführungszeichen meiner Eltern. Sie ist die Tochter meiner Mutter aus erster Ehe. Und ja, dann kommt meine zweitälteste Schwester Josephine, sie ist geistig leicht behindert. Also im täglichen Umgang merkt man es ihr nicht an, sie kann eben nur halt nicht lernen, also sie kann keine Ausbildung machen, weil sie das schulisch nicht schafft und sie kann ziemlich schlecht mit Geld umgehen und ja, alleine wohnen tut sie auch noch nicht, nach unserem Umzug hat sie lange bei meiner Oma gelebt und jetzt wohnt sie bei meiner Tante, weil sie einen neuen Job gefunden hat, hier in der Gegend. Und ja, wir wollen ihr jetzt nach einer Wohnung suchen, aber ja, es ist halt schon schwierig, weil sie es halt auch mit der Ordnung nicht so hat, sie sieht eben beispielsweise nicht, wenn Flaschen auf dem Boden liegen oder so. Deswegen müssen wir auch regelmäßig nach ihr schauen, wenn sie dann mal eine Wohnung hat. Und dann kommt da noch meine andere Schwester, Katja. Sie macht eigentlich Stress seit ich richtig denken kann. Also meine extremste Erinnerung ist, dass ich sie mit 13 Jahren, ich war damals 8 Jahre alt mit einer Alkoholvergiftung bei uns im Treppenhaus gefunden hab. Und so ging das dann weiter, sie war lange Zeit eigentlich nur am Scheiße bauen, sie hat mal mit 15 mit einer Freundin ein Auto geklaut, sie war ständig betrunken und in der Schule, war sie nur am Rebellieren, meine Eltern waren in einem Jahr vermutlich öfter bei ihrem Direktor, als bei mir in sechs Jahren auf dem Elternsprechtag. Und mit 16 wurde sie schwanger, hat mit 17 ein Kind bekommen. Die Kleine lebt seither bei uns und meine Eltern beziehungsweise meine Mutter kümmern sich um sie. Weil meine Schwester erst ihre Ausbildung gemacht hat und jetzt geht sie den ganzen Tag arbeiten. Ja und dann komm ich, gut in der Schule, ehrgeizig beim Sport und auch sonst eigentlich relativ pflegeleicht. Ich meine, bei den Problemen die meine Eltern schon bewältigen mussten, da konnte ich nicht auch noch Stress machen. Und als meine Geschwister einigermaßen erwachsen waren, kam meine Nichte und naja, so ein kleines Kind braucht eben mehr Aufmerksamkeit als ein Teenager der relativ gut auf eigenen Beinen steht.“ Als ich fertig war mit erzählen war ich einerseits erleichtert, es tat gut sich mal alles von der Seele zu quatschen, was mich schon lange beschäftigte, auch wenn mir das nicht wirklich bewusst gewesen war. Andererseits, was sollte die Therapeutin denn nun von meinen Eltern denken? Sie liebten mich schließlich und ich glaube sie wollten auch für mich nur das Beste, aber sie waren auch nur Menschen, sie konnten eben nicht für jedes ihrer Kinder gleich viel Zeit aufbringen und naja, ich war eben am problemlosesten, da war doch klar, dass ich zurück stecken musste. Ich kam ja mit meinem Leben und meinen Aufgaben gut klar, meine Geschwister und auch meine Nichte brauchten da doch mehr Zeit, schließlich waren sie schwieriger und klar meine Nichte war ein kleines Kind, das brauchte sowieso mehr Zeit.

 

 

Zwischen mir und Fr. Raumann trat ein Schweigen ein, dass für mich ziemlich schwierig war, das gab es öfters, wenn sie mir Fragen stellte und ich sie beantwortete und irgendwann das Gefühl hatte ich war fertig schwieg sie mich an. Ich wusste gar nicht, was sie dann von mir erwartete? Ich hatte doch ihre Frage beantwortet. Was wollte sie denn jetzt? Ich wurde nervös und begann zu schwitzen und zu zittern.

 

 

„Das klingt als ob sie es in ihrer Familie nicht leicht hätten gesehen zu werden. Und wie ist das, wenn es in der Familie Streit gibt? Geht das eher lauter zu, oder ruhig oder wie ist das?“ Fr. Raumann sah mich fragend an. Vermutlich war das hier erst mal so eine Art Bestandsaufnahme.

 

 

1 Kommentar 18.9.12 19:31, kommentieren

Vergessene Fragebögen und eine Klingel fürs Schwesternzimmer.

Ich träumte total wirre Sachen und als ich vom Klopfen an der Türe meines Zimmers aufgewacht bin, verstand ich erst gar nicht, dass jemand in mein Zimmer kam.

 

Entsprechend erschrocken war ich, als dann Fr. Raumann in meinem Zimmer stand. „Oh entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht wecken.“

 

„Kein Problem.“ Ich war noch immer ziemlich verwirrt, hatte ich etwa einen Termin verpasst? Oh nein, was war wenn sie sauer war? Oder mir mitteilen wollte dass ich gehen musste?

 

„Diese Fragebögen, sind ein bisschen tricky ich weiß. Sie haben da eine Seite vergessen.“ Fr. Raumann zeigte mir, dass man diese Fragebögen aufklappen musste.

 

„O- okay. Entschuldigung.“ Meine Hände fingen an zu zittern, okay ich hatte keinen Termin verpasst aber das war mindestens genauso blöd.

 

„Macht nichts, bringen Sie den Fragebogen einfach mit, wenn Sie ihn ausgefüllt haben.“ Fr. Raumann lächelte mich lieb an. Und ging dann wieder. „Bis heute Mittag dann.“

 

„Bis später.“ Als sie aus dem Zimmer gegangen war lehnte ich mich erstmal in meinem Bett zurück. Ich war den Tränen nahe. War sie denn jetzt sauer wegen den Fragebögen? Wie konnte ich das nur übersehen? So was passierte auch immer nur mir. Und war es überhaupt in Ordnung, dass ich morgens um halb 11 schon wieder im Bett lag? Wollte sie dass ich aktiv war?

 

 

Keine zwei Minuten später klopfte es wieder an der Tür. Ich fing wieder an zu zittern? Wer war das jetzt?

 

„Ja.“

 

„Frau Föll, Frommer- Hamm meine Name. Sie haben geklingelt?“ Die hübsche Krankenschwester lächelte mich lieb an.

 

„Hallo. Ich hab was? Oh, ich weiß auch nicht wie, das war ausversehen. Tut mir Leid.“ Ich spürte einen dicken Klos im Hals, ich vergaß Bögen auszufüllen und jetzt klingelte ich auch noch die Schwester von der Arbeit weg, was musste man denn hier von mir denken?

 

„Kein Problem Frau Föll, da hinten an Ihrem Bett ist ein roter Knopf, wahrscheinlich sind Sie dahin gekommen. Machen Sie sich nichts draus.“ Noch immer lächelte sie mich lieb an. Die Frau war mir sofort sympathisch.

 

„Hm.“ Noch immer war ich den Tränen nahe.

 

„Was treiben Sie denn?“ Fr. Frommer- Hamm merkte wohl, dass ich ziemlich nervös war.

 

„Naja, ich versuch zu lesen. Das Problem ist, dass ich dabei immer wieder einschlafe.“ Keine Ahnung, ob sie mich beruhigen wollte oder nicht, aber zumindest hatte sie eine leicht beruhigende Wirkung auf mich. Sie sprach mit mir, wie wenn ich normal wäre.

 

„Vielleicht brauchen Sie das gerade. Versuchen Sie es einfach weiter. Was lesen Sie denn?“

 

„Ich quäl mich im Moment durch „Die dunkle Seite des Mondes“, wir müssen das für die Schule lesen.“

 

„Sie quälen sich durch? Vielleicht versuchen Sie es mit einem Buch dass Sie interessiert, für die Schule lernen können Sie auch später noch. Ich lass Sie jetzt mal wieder in Ruhe, wenn irgendwas ist, zögern Sie nicht sich im Schwesternzimmer zu melden.“ Noch mal lächelte sie mich lieb und aufmunternd an und dann verlies sie mein Zimmer. Sie hatte Recht, warum las ich eigentlich ein Buch dass mich nicht interessierte?

 

Oder würde sie das jetzt auch festhalten? Sagte das vielleicht was über mich aus, was ich nicht wollte?

 

 

Ich versuchte mich trotz allen Grübeleien wieder auf das Buch zu konzentrieren, scheiterte aber leider. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, zu viel ging mir durch den Kopf.

 

Deshalb war ich sehr froh, als die Tanztherapie aus war und ein Teil meiner Mitpatienten nach oben kam und sich im Gemeinschaftsraum einfand. Ich hatte mich ein paar Mitpatienten angenähert, deshalb hatte ich jetzt ein wenig Unterhaltung.

 

Aber man musste auch aufpassen, worüber man sprach, weil keine Gruppentherapie außerhalb der Gruppe stattfinden sollte. Wir konnten von unseren Problemen erzählen ja, aber es war wichtig, dass wir andere nicht belasteten oder dass wir uns belasten ließen.

 

 

Langsam begann ich mich mit dem Gedanken hier zu bleiben anzufreunden. Aber maximal 6 Wochen, danach wollte ich wieder leben können.

 

Nach dem Mittag kam dann die erste Chefarztvisite.

 

Ich war nervös. Was wollte denn dieser Chefarzt jetzt von mir?

 

Die anderen Patienten hatten auch viel erzählt, dass sie nie wussten was sie ihm erzählen sollten und dass sie die Visite nicht sonderlich mochten.

 

Der Mann sah einem wohl an wie es einem wirklich ging und man konnte ihm nichts verheimlichen, wenn man meinen Mitpatienten glaubte.

 

2 Kommentare 16.9.12 18:35, kommentieren

Der erste Abend, der erste Frühsport und ein bisschen Klinikleben

Ich war froh als es Zeit fürs Abendessen war. Zwar war der erste Gang durch die Cafeteria ziemlich schwer, ich wusste nicht, was jetzt kostenlos war und was man bezahlen musste und auch die vielen Menschen auf einmal fand ich etwas unangenehm, doch meine Mitpatienten halfen mir durch den Büfett Dschungel und letztlich konnte ich dann das Abendessen gut aushalten.

 

 

Danach bekam ich Besuch von meiner Schwester. Ich war froh, dass sie mir DVD’ s und Laptop vorbei brachte, aber andererseits war ihr Besuch auch sehr schwer für mich. Was sollte ich ihr denn erzählen?

 

Ich war froh, dass sie relativ zügig wieder ging.

 

 

Dann ging ich ein bisschen in den Gemeinschaftsraum, an meinem Tisch saßen sie zusammen und spielten Karten. Ich setzte mich eine kurze Zeit dazu, verzog mich dann allerdings lieber in den Fernsehraum.

 

Als allerdings hier zum dritten Mal die Nachrichten liefen, entschied ich mich in mein Zimmer zurückzuziehen.

 

 

Um 20.15 Uhr meldete ich mich noch beim Nachtdienst, wo mein Blutdruck gemessen wurde.

 

Dann zog ich mich wieder in mein Zimmer zurück und schaute dort einige DVD’ s. Das Problem war, dass ich alle meine DVD’ s schon kannte. Ich entschied mich dann meine Lieblingsserie von früher „McLeods Töchter“ auf Englisch anzusehen. Irgendwann war ich dann allerdings zu müde um mich zu konzentrieren und entschied schlafen zu gehen.

 

Wieder Erwarten konnte ich auch für meine Verhältnisse schnell einschlafen. Woran das lag weiß ich bis heute nicht, aber es machte mir Mut.

 

 

Der nächste Tag begann sehr früh für mich. Um 7.30 Uhr begann der Frühsport, vorher musste ich noch zum Nachtdienst, noch mal Blutdruck messen und zur Gewichtskontrolle.

 

Ich nahm das so hin, verstand es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, da ich hart gesagt ja schließlich im Kopf krank war und nirgends sonst.

 

Also zwang ich mich so gegen 6.30 Uhr aufzustehen, den Wecker hatte ich mir schon auf 6 Uhr gestellt.

 

Ich stand im Bad und sah in den Spiegel, ich fand ich sah einfach nur fertig aus. Ich war zwar verhältnismäßig schnell eingeschlafen, aber ich war in der Nacht immer wieder aufgewacht und vor allem fühlte ich mich wie erschlagen.

 

Ich hatte tiefe Augenringe und versuchte das alles mit Schminke zu kaschieren. Schließlich musste mir man ja nicht sofort ansehen dass es mir schlecht ging.

 

 

Dann machte ich mich auf zum Stationszimmer, wo mir der Blutdruck gemessen wurde und ich gewogen wurde.

 

Ich war nicht geschockt, dass ich zugenommen hatte, denn ich hatte mich nur noch von fettigem ungesundem Zeug ernährt. Vielleicht konnte ich das ja hier ein wenig ändern.

 

 

Dann ging ich kurz in die Küche, wo mich die anderen Mitpatienten begrüßten. Und als sie sich zum Frühsport aufmachten begleitete ich sie mit einem mulmigen Gefühl.

 

Wer würde den Frühsport leiten? Einer unserer Therapeuten? Was war wenn ich nicht gut mitmachte? Was wurde dort jetzt von mir verlangt?

 

Ich war nervös und ich hatte eine Riesenangst. Aber es war gut, dass ich nicht alleine zum Frühsport musste, dadurch dass ich mich den ganzen Weg hinunter mit jemandem unterhalten konnte, konnte ich nicht so sehr viel grübeln.

 

 

Als wir dort ankamen, wurden wir von einem Physiotherapeuten begrüßt. Er erklärte uns, dass er immer bis auf Mittwochs den Frühsport leitete.

 

Er begrüßte uns neue Patienten und erklärte uns, dass es hier keinerlei Leistungsansprüche gab, dass jeder so mitmachen sollte wie er konnte. Und wenn jemand eine Übung nicht mitmachen konnte aus welchen Gründen auch immer, durfte er sie einfach abbrechen.

 

Es war Dienstagmorgen, deshalb war Meditation angesagt. Alle die zur Blutabnahme mussten, durften also nur das kurze Aufwärmprogramm mitmachen und mussten sich dann aufmachen, ich gehörte dazu.

 

Ich war aber auch nicht böse darum, denn ich konnte mir viel vorstellen, aber dass ich mich hinsetzte und meditieren würde, dass war das letzte was ich mir vorstellen konnte.

 

 

Der Frühsport hatte wenig mit Sport zu tun. Es war sehr ungewohnt. Ich kam mir phasenweise richtig blöd vor. Ich sollte mir den Körper abreiben, so wie beim Duschen. Und das Gesicht sollte ich mir selbst ausstreichen, also sanft abreiben. Ich sollte mich strecken und räkeln und komische Figuren machen.

 

Herr Gallert unser Physiotherapeut meinte was wir hier machen würde, war eine Mischung aus Yoga und Feldenkrais.

 

Es ging darum sich und seinen Körper spüren zu lernen. Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigenen Gefühle zu entwickeln.

 

 

Ich war trotzdem ziemlich froh, als ich den Raum wieder verlassen durfte, was war, wenn ich irgendwas falsch gemacht hatte und sie mich jetzt auslachen würden?

 

Dann ging ich zum Blutabnehmen, ich war gespannt, wer das machen würde. Irgendeine Krankenschwester vermutlich. Deshalb war ich leicht überrascht als mir auf einmal ein Arzt namens Dr. Maier- Lenz gegenüber stand. Ich erinnerte mich, dass ich heute bei ihm ein Vorgespräch für die Gruppentherapie hatte.

 

 

Als ich fertig war, ging ich zum Frühstück. Nach wie vor war mir die Cafeteria unsympathisch, so viele Menschen auf einem Fleck überforderten mich.

 

Außerdem sprachen die Mitpatienten beim Frühstück so viel und ich hatte das Gefühl sie erwarteten dass ich mich ebenfalls mit ihnen unterhielt, aber ich bin morgens nicht so gesprächig.

 

Nach dem Frühstück ging ich nach oben und trank in der Küche noch einen Kaffee. Ich war ziemlich müde und wusste nicht wirklich, was ich mit mir anfangen sollte, ich hatte jetzt ein Vorgespräch zur Gruppentherapie und danach hatte ich bis zum Mittagessen nichts zu tun.

 

 

Zum Vorgespräch ging ich ebenfalls wahnsinnig nervös. Diesen Arzt hatte ich ja schon bei der Blutentnahme kennen gelernt, aber trotzdem, die Gruppentherapie an sich machte mir ja schon ziemlich Angst. Da konnte ich nicht vollkommen ruhig zum Vorgespräch gehen. Und vor allem musste ich jetzt schon wieder alles erzählen?

 

 

Das Vorgespräch war dann allerdings relativ schnell vorbei, mir wurde erklärt, wie so eine Gruppentherapiesitzung abläuft, dass zwei Therapeuten dabei waren.

 

Der Dr. Maier- Lenz und der Dr. Karschner, sie leiteten die Sitzungen, sorgten dafür, dass Regeln wie dass man andere aussprechen lies, dass man sich nicht beleidigte usw. eingehalten wurden.

 

Trotzdem bestimmten die Themen der Gruppensitzungen die Patienten. Es gab auch keinen Unterschied ob man in Gruppe 1 oder Gruppe 2 war, das ging schlichtweg nach Teilnehmerzahl.

 

Als ich keine Fragen mehr hatte verabschiedete er mich und dann hatte ich frei. Es war auch niemand der anderen Patienten auf Station, da sie alle entweder bei der Tanztherapie oder der Gestaltungstherapie waren.

 

Da ich so schnell aufgenommen wurde, gab es allerdings für mich noch keinen vollständigen Therapieplan, deshalb hatte ich in der ersten Woche, vor allem in den ersten Tagen viel Freizeit.

 

 

Da ich so müde war entschied ich mich dazu, mich mit einer Tasse Kaffee in meinem Zimmer zurück zu ziehen und ein wenig DVD zu schauen.

 

Das stellte sich allerdings als ziemlich anstrengend heraus, da ich ja immer wieder aufpassen musste dass mich niemand entdeckte und deshalb beim kleinsten Geräusch zusammen zuckte.

 

Deshalb packte ich den Laptop relativ zügig wieder weg und widmete mich einem Buch, irgendwann schlief ich über diesem Buch ein, weil ich einfach so fertig war.

 

2 Kommentare 12.9.12 21:14, kommentieren

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