Die erste Zweitsicht und ist es überhaupt richtig was ich tue?

Nachdem ich mich fürs Tanzen entschieden hatte, musste ich ein Entspannungsverfahren wählen. Eine Aufgabe die für einen gesunden Menschen vermutlich ziemlich einfach gewesen wäre, für mich zum damaligen Zeitpunkt war es schwierig. Deshalb war ich froh, dass ich hätte warten müssen bis ich ins autogene Training hätte einsteigen können und deshalb Progressive Muskelentspannung, kurz PMR genannt als Entspannungstherapie wählen durfte.

 

Auch diese Entspannungstherapie bewirkte bei mir zu aller erst mal vieles, aber keine Entspannung. Aber auch dazu später mehr.

 

 

Des Weiteren sprachen wir kurz über die Gruppentherapie, da ich hier allerdings noch ein Vorgespräch mit einem Gruppentherapeuten haben würde, sagte sie mir darüber nicht viel.

 

 

Dann hatten wir es noch darüber, dass Frau Raumann es für sinnvoll hielt, mich zur Schlaftherapie anzumelden.

 

Mir war das zu diesem Zeitpunkt ziemlich egal. Ich wollte nur wieder normal werden, wie war mir dabei nahezu egal.

 

 

Nachdem wir das alles besprochen hatten, fragte sie mich noch mal nach meinem Befinden. Doch auch jetzt konnte ich ihr nicht wirklich mehr erzählen. Mir ging unglaublich viel durch den Kopf, aber aussprechen konnte ich das nicht wirklich.

 

Dann verabschiedeten wir uns vorerst voneinander wir würden uns ja zur Zweitsicht noch mal sehen.

 

 

Als ich aus dem Raum ging war ich noch immer der Überzeugung, dass ich selbstbewusster und stärker war als meine Therapeutin. Und ich war mir sicher, dass sie mir nicht helfen konnte.

 

In dieser 45 Minuten dauernden Therapiesitzung hatten wir uns insgesamt mindestens 10 Minuten angeschwiegen.

 

Ich empfand das als sehr anstrengend. Stellen Sie sich dass doch mal vor. Sie sitzen zu zweit in einem Raum sollen einer Frau von sich erzählen und ständig tritt schweigen ein.

 

In den meisten dieser Schweigephasen kämpfte ich mit mir selbst. Sollte ich sagen was mir durch den Kopf ging, was würde dann passieren? Konnte ich mich ihr soweit öffnen, mich so angreifbar machen?

 

Ich kämpfte gegen meinen inneren Kritiker. Der der mir sagte, Du musst stark sein, Du darfst keine Schwächen haben. Und selbst wenn Du sie hast, darfst Du sie niemals zugeben.

 

 

Nach der Therapiesitzung zog ich mich auf mein Zimmer zurück und nahm mir die Zeit, mal die Stationsordnung zu lesen.

 

Als ich diese gelesen hatte war mir schlecht. Ich durfte gar keine DVD’ s hier rein schmuggeln.

 

Okay, aber wie sollte ich die freie Zeit sonst durchhalten? Ich würde die DVD’ s hier reinschmuggeln, dass konnte mir niemand verbieten.

 

 

Als ich mich dann von diesem Schock erholt hatte ging ich noch in die Küche um einen Kaffee zu trinken und dann machte ich mich auf den Weg zur Zweitsicht.

 

Ich beschloss mich einfach wieder da hin zu setzten wo ich mich vorher hingesetzt hatte.

 

 

Dort wurde ich kurz darauf auch von Fr. Saler und Fr. Raumann abgeholt. Wir gingen in das Büro von Fr. Saler und sie sah mich an.

 

Ich sollte erzählen wie ich angekommen war. Was ich mir an Therapiezielen überlegt hatte.

 

Und ich konnte ihr noch weniger sagen als im Gespräch zuvor mit Fr. Raumann.

 

Was wollte ich denn hier erreichen? Als ich sagte ich wüsste auch nicht, schaltete Fr. Raumann sich ein und meinte dass sie und ich ja schon darüber gesprochen hatten, dass ich wieder schlafen wollte und dass ich wieder Freude an verschiedenen Sachen finden wollte.

 

Sie gab mir das Gefühl dass es in Ordnung war so wie es war. Dafür bin ich ihr dankbar, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt immer noch der Überzeugung war, dass sie ihren Job nicht konnte.

 

 

Dann verabschiedete sich Fr. Raumann und Fr. Saler begann mit der körperlichen Aufnahme.

 

Ich musste angeben, ob ich irgendwelche Allergien hatte, sonstige Krankheiten, Lebensmittelunverträglichkeiten usw.

 

Wir sprachen darüber, ob ich Medikamente einnehmen wollte. Ich erinnerte mich an den Satz meiner Hausärztin, der eigentlich für meinen Besuch beim Neurologen bestimmt gewesen war und antwortete auf Fr. Salers Frage wegen der Medikamente, dass ich es zuerst ohne probieren wollte. Wenn ich merkte ich kam ohne Medikamente nicht mehr klar, konnte ich ja immer noch welche nehmen, aber zuerst wollte ich es ohne Medikamente probieren. Sie respektierte meine Entscheidung. Danach begaben wir uns in das Untersuchungszimmer, wo ich einmal komplett untersucht wurde.

 

 

Dann hatte ich frei. Heute Abend musste ich mich noch beim Nachtdienst melden, aber sonst hatte ich freie Zeit.

 

Ich verzog mich zuerst in mein Zimmer, als mir dann allerdings langweilig wurde, machte ich mich auf den Weg in die Küche, wo die anderen zusammen saßen. Wirklich wohl fühlte ich mich allerdings auch hier nicht, ich war ziemlich unsicher, ob meine Entscheidung in die Klinik zu gehen die richtige Entscheidung gewesen war oder nicht.

 

2 Kommentare 10.9.12 00:42, kommentieren

Zum ersten Mal eine Therapiestunde.

Also gut, auf zur Einzeltherapie. Ich wusste ja noch nichtmal wo ich hin musste. Aber zu fragen, beispielsweise im Schwesternzimmer das traute ich mich nicht.

Schließlich setzten sie doch voraus dass ich das wusste oder nicht?

Vielleicht sollte ich einfach hier bleiben und warten bis mich jemand holen kam. Wenn dass allerdings falsch war, würden sie glauben ich sei unzuverlässig, würde nicht gesund werden wollen und vielleicht würden sie mich wegschicken. Vielleicht sollte ich aber auch zum Sekretariat gehen und dort warten. Wenn Frau Raumann mich dann aber auf meinem Zimmer suchte, dann würde sie vielleicht denken ich wäre weggegangen und wiederum auch denken ich sei unzuverlässig und hätte keine Lust.

Ich überlegte hin und her und ich war den Tränen nahe. Am liebsten wäre ich einfach weggerannt. Irgendwohin, wo ich alleine war und dort würde ich solange bleiben, bis ich einfach einschlief und nicht mehr aufwachte.

Aber dann würde ich die Menschen enttäuschen die die letzten Wochen und Monate für mich gekämpft hatten.

Egal was ich tat, ich konnte es nur falsch machen.

Nervös und zitternd ging ich zum Sekretariat.

Wenn ich mich da hin setzte würde mich schon jemand finden und mir helfen hoffte ich.

Ich zitterte. Meine Hände schwitzten. Ich war nervös. Was würde gleich passieren? Ich hatte noch nie eine Therapie gemacht. Horrorvisionen gingen durch meinen Kopf.

Noch während ich in meine Gedanken versunken war schaute Frau Raumann ums Eck.

„Ah hier sind Sie Frau Föll. Na dann wollen wir mal.“ Sie reichte mir die Hand nachdem ich aufgestanden war und dann folgte ich ihr. „Es ist der längste Weg.“

 

Dieser Satz drehte mir den Magen um. Natürlich verstand ich, dass sie den Weg zu ihrem Zimmer meinte. Und heute weiß ich auch, dass sie einfach nur nett sein wollte und mir mit diesem Satz keine anderen Sachen sagen wollte, außer dass sie das Zimmer am Ende des Gangs hatte.

Doch in diesem Moment glaubte ich sie wollte mir damit noch tausend andere Dinge Sagen. Zum Beispiel, bezog ich dass auf meine Therapie. Würde meine Therapie die längste werden die sie bisher erlebt hatte? War ich doch schon hoffnungslos verloren? War mir doch nicht mehr zu helfen?

Das waren meine einen Gedanken und dann tat sich noch etwas anderes auf. Einerseits mochte ich diese Frau. Sie wollte mir helfen und sie war nett. Aber irgendwie machte sie auf mich einen schüchternen Eindruck. Und die sollte mir helfen können? Wenn man meine Freunde fragte, war ich alles andere als schüchtern. Und wenn man meine Freunde fragte war ich unglaublich selbstbewusst. Diese Psychologin wirkte auf mich schüchtern und wenig selbstbewusst.

Später würde ich lernen, dass es genau umgekehrt war.

Ich war diejenige der es an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mangelte und Frau Raumann war es, die Selbstvertrauen besaß, die wusste wo ihre Stärken und Schwächen lagen. Zumindest machte es den Eindruck, schließlich war ich diejenige die einen Seelenstriptease hinlegen würde, nicht sie.

Vermutlich ist sie nicht die extrovertierteste Person die ich je kennen gelernt habe, aber sie ist diejenige der ich dieser ganzen Klinik am meisten vertraut habe, die mir immer das Gefühl gegeben hat, dass alles in Ordnung ist so wie es ist, auch wenn ich wie später noch zu lesen sein wird, nicht grade eine einfache Patientin war.

Meine Paradedisziplin war es, „mir selbst den Fuß zu stellen und auch noch darüber zu fallen.“

Aber trotzdem hatte ich in diesem Raum den ich jetzt betrat immer das Gefühl das ich in Ordnung war. Dass meine Krankheit eine Krankheit war, wie ein Beinbruch eine Verletzung war.

Dass es nichts verwerfliches war, an einer Depression zu erkranken und dass ich mich dafür nicht verurteilen musste.

 

Doch am Anfang glaubte ich wirklich selbstbewusster zu sein als meine Therapeutin und vor allem ertappte ich mich vor allem in der ersten Sitzung immer wieder bei dem Gedanken „und Du sollst mir helfen? Ich kann Deinen Job vermutlich besser als Du selbst.“ Seit der Klinik weiß ich auch was mein Deutschlehrer in der 10. Klasse meinte als er zu mir sagte ich wirke arrogant, doch er vermute dass es nur so rüber kam weil ich versuchte selbstbewusst zu sein und innerlich doch total an mir zweifelte.

 

Zurück zur Situation, Frau Raumann lies mich als erste in ihr Zimmer eintreten. Man kann sich das wie folgt vorstellen.

Der Raum ist länglich. Wenn man rein kommt steht rechts ein Regal, wo bei Frau Raumann einige Bücher stehen und ein paar Karten, wie ich vermute Abschiedsgeschenke von Patienten. Dann kommt die Wand.

Nach dem Regal folgt ein Tisch mit zwei Stühlen. Hier werde ich ihn im Laufe meiner Therapie hinlegen, meinen Seelenstriptease.

Darauf folgt das Fenster. Gegenüber vom „Therapieplatz“ steht Frau Raumanns Schreibtisch.

 

Die Tatsache dass ich als erste eingetreten war, warf das Problem auf, wo ich sitzen sollte. Wo saßen denn die Patienten normal?

Was war wenn ich mich jetzt falsch hinsetzte? War sie dann böse auf mich? Würde sie etwas sagen?

Instinktiv wählte ich den Platz an dem ich mit dem Gesicht zur Türe sitzen konnte und mit dem Rücken zum Fenster saß.

Wie ich später erfahren würde, war es der Platz auf dem in den meisten Therapiesitzungen die Therapeuten saßen. Doch anders bei mir. Ich brauchte den Blick zur Türe, ich musste das Gefühl haben gehen zu können, wenn ich wollte.

 

Zuerst ging es darum wie ich angekommen war.

Dann sprachen wir über Therapieziele. Ja, darüber was ich erreichen wollte. Ich sagte nicht viel, außer dass ich wieder normal sein wollte. Wieder Freude am Leben haben und wollte und vor allem dass ich wieder schlafen können wollte.

In meinen Gedanken formulierten sich noch viel mehr Wünsche, aber ich konnte sie nicht aussprechen. Was war wenn sie mich auslachte? Sagte dass ich mich nicht so anstellen sollte, dass das doch ganz alltägliche Sachen waren. Und außerdem musste ich doch rüberkommen als ob ich keine Probleme hätte. Musste doch stark sein, durfte doch keine Schwierigkeiten machen. Sonst würde man mich vielleicht nicht mehr lieb haben oder mich wegschicken. Absurd, nicht? Ich war hier weil ich mit meinen Problemen nicht mehr klar kam, aber ich versuchte die Starke zu spielen.

Eigentlich wollte ich wieder lernen zu lachen, also richtig zu lachen, auch mit den Augen. Ich wollte wieder Spaß an den Sachen haben die ich liebte, am Fußball, am Weggehen, daran, dass die Sonne schien. Und ich wollte nicht mehr ständig niedergeschlagen, voller Selbstzweifel und Suizidgedanken sein.

 

Doch sagen konnte ich das alles nicht. Aber Frau Raumann akzeptierte die wenigen Sachen die ich sagte vorerst.

Dann machten wir uns daran zu entscheiden, welche Therapien ich wählen würde.

Ich durfte wählen zwischen Tanz- und Gestaltungstherapie. Das war eine ziemlich schwere Wahl, denn ich konnte weder tanzen noch malen, also wählte ich das für mich kleinere Übel, die Tanztherapie.

Später würde ich feststellen, dass ich instinktiv die richtige Entscheidung getroffen hatte. Denn die Tanztherapie brachte mir nach anfänglich großen Schwierigkeiten unglaublich viel.

Aber dazu später mehr.

5.9.12 23:00, kommentieren

Essen, eine Zigarette und ein Haufen Fragebögen.

An meinem Tisch saßen dann noch eine Frau namens Christiane, die neben mir saß und noch zwei Männer, Hakan und Wolfgang. Auch mit den beiden Männern verstand ich mich sehr gut, vor allem mit Hakan, der in etwa so lange bleiben würde wie ich und zu einem sehr wichtigen Begleiter wurde, mit dem ich auch heute noch Kontakt habe.

 

Dann tönte der Essenswagen und ich folgte dem Beispiel der anderen, holte ein Tablett und suchte nach der Person bzw. dem Sitzplatz der Person wo das Essen hinsollte.

Während dem Essen wurde an unserem Tisch wenig gesprochen. Meine Tischnachbarin fragte mich ob es mir schmecken würde, am liebsten hätte ich verneint, aber ich hätte das als unhöflich empfunden und meinte daher es sei in Ordnung.

 

Als wir gegessen hatten räumten wir unsere Tabletts wieder in den Essenswagen und ich machte mich auf um eine Zigarette zu rauchen.

Am Raucherplatz lernte ich dann noch ein paar neue Leute kennen und traf alte Bekannte wieder, denn an meinem Tisch saßen viele Raucher, Hakan, Elke, Anett und Ilona.

Dann stellte sich mir noch eine Frau namens Tina vor, anfangs war ich ihr gegenüber sehr skeptisch, weil sie mir ziemlich unnahbar vorkam und den Eindruck erweckte als würde sie mich nicht mögen, aber im weiteren Verlauf meines Aufenthalts wird auch sie ein sehr wichtiger Mensch für mich werden.

Dann lernte ich noch Franzi kennen, sie war auch sehr offen und witzig und ich mochte sie auf Anhieb.

Und eine ältere Dame namens Margarete gehörte auch zu unserem Rauchertrupp, sie sprach gebrochen Deutsch, aber ich mochte sie trotzdem sehr, wenn auch nicht von Anfang an.

 

Als ich wieder oben auf der Station war machte ich mich auf den Weg zum Chefarztsekretariat wo die Testdiagnostik stattfinden sollte.

Ich hatte immer noch Angst, was würde das bedeuten, was war das? Und warum Chefarzt? War ich denn schon so schlimm dass ich zum Chefarzt musste? Konnte nur noch er mich heilen oder bestand etwa schon kaum noch Hoffnung?

All das ging mir durch den Kopf.

Die Testdiagnostik stellte sich dann aber als gar nicht schlimmes heraus. Kein Chefarzt der mich untersuchte und feststellte, dass mir nicht mehr zu helfen war, keine Gespräche.

Die Sekretärin setzte mich gemeinsam mit einer anderen Patientin, Manuela, die ebenfalls heute angekommen war, in einen Raum und reichte uns Fragebögen.

Diagnose Fragebögen, wie man sie zu Beginn jeder Therapie bekommt, wie ich heute weiß.

 

Ich saß vor diesen Fragebögen und fragte mich nur wie ich das schaffen sollte. Was wollten die den nun alles von mir wissen?

Aber ich quälte mich durch die Bögen. Und als ich fertig war schielte ich zu der anderen Patientin, die gerade bei der Hälfte war.

Ich fragte mich wie das sein konnte. War ich vielleicht doch kein hoffnungsloser Fall?

Konnte man mir vielleicht doch noch helfen?

Ich ging hinaus und gab die Fragebögen ab. Dann zog ich mich kurz in mein Zimmer zurück um durch zu atmen.

 

Jetzt sollte ich also zu dieser Psychologin, die kaum ein Wort mit mir gesprochen hatte.

1 Kommentar 28.8.12 11:54, kommentieren

Einmal kennen lernen bitte.

Ziemlich verängstigt und nervös machte ich mich also auf den Weg in die Küche, um dort Mittag zu essen.

Eigentlich war mir nicht wirklich nach Essen und am liebsten hätte ich mich einfach in meinem Zimmer verkrochen, schließlich sollte ich jetzt geschätzt zwanzig Menschen begegnen, die ich nicht kannte und das in meinem Zustand und in meiner Gefühlslage. Dann sollte ich auch noch zu dieser komischen Therapeutin, die während meines Vorgesprächs nicht mehr als drei Worte zu mir gesagt hatte und zu irgendwelchen Diagnostiken und ja, am liebsten hätte ich mich in mein Zimmer verkrochen.

Aber andersrum stellte ich mir auch die Frage, was ich dort tun sollte, schließlich hatte ich nicht mal einen Fernseher im Zimmer.

Ich bat meine Schwester mir ihren Laptop und alle DVD’ s zu bringen, die sie finden konnte. So viel freie Zeit, ich konnte mir gar nicht vorstellen, die anders zu verbringen, als mit Fernseher oder eben DVD schauen. Im Laufe der Zeit wird sich allerdings herausstellen, dass ich das Laptop dazu hatte um an meinem ersten Wochenende meine Schreiblust wiederzufinden, sie aber nach diesem Wochenende auch wieder zu verlieren und sonst gegen Ende der Therapie nutzte ich den Laptop oft zum Musik hören, die DVD’ s brauchte ich die ersten paar Tage und dann die komplette Zeit meiner Therapie nie wieder.

Aber zu aller erst dachte ich nur, oh Gott, das konnten heitere 6 Wochen werden.

 

Als ich in der Küche ankam starrten mich neugierig ein paar Gesichter an. Verschüchtert blickte ich in die Runde und überlegte einfach wieder zu gehen.

„Hallo, ich bin Thomas.“ Ein Mann mittleren Alters sah mich lächelnd an, ich erkannte ihn als denjenigen, der mir bei meinem Vorgespräch das Sekretariat gezeigt hatte.

„Lisa Hallo.“ Ich lächelte ihn vorsichtig an.

„Oh noch eine Lisa, dann sind wir jetzt ja schon zwei.“ Eine Frau, geschätzt Ende 40 lächelte mich ebenfalls nett an.

„Hallo.“ Noch immer fühlte ich mich unwohl und fehl am Platz, ich zitterte, mir war schlecht und ich wollte am liebsten einfach nur weg. Ich versuchte den Kloß in meinem Hals hinunter zu schlucken.

 

„Also, du kannst dir deinen Sitzplatz frei aussuchen und dann schreibst du auf ein Kärtchen deinen Namen und stellst es an deinen Platz, denn wenn wir das Mittagessen aus dem Wagen holen, holt immer jeder das eines anderen, damit wir uns besser kennen lernen. Hier, hier und hier sind noch Plätze frei und ich glaube da vorne auch.“ Der Mann der sich mir als Thomas vorgestellt hatte zeigte auf verschiedene Stühle und ich wählte der Einfachheit halber den mir am nächsten stehenden freien Stuhl. Ich saß also nun am mittleren der drei Tische ganz außen, was wie ich später noch feststellen würde der meiner Meinung nach beste Platz war.

Ich hatte nämlich nahezu den kompletten Raum im Blick, aber auch den Gang der zur Küche bzw. aus der Küche raus zu den Zimmern führte.

 

Die Frau die mir gegenübersaß, hieß Elke. Sie machte einen sehr netten Eindruck. Neben Elke saß die Frau, die sich mir als Lisa vorgestellt hatte und neben Lisa saß eine Frau die sich mir als Anett vorstellte und neben Anett saß Ilona. Diese Frauen und noch ein paar andere würden sich später als die Gruppe mit der ich am Anfang viel zu tun hatte, also der Gruppe mit der ich abends oft zusammen saß und mit der ich gerne mal eine rauchen ging und Ausflüge ins Kaufland unternahm herausstellen. Um nicht zu sagen, diese Frauen und noch ein paar andere würden sich für mich als Gold wert erweisen.

2 Kommentare 24.8.12 16:31, kommentieren

Wie so eine Klinik aussieht.

Am Morgen der Aufnahme schaffte ich es dann wider Erwarten relativ zügig aus dem Bett und ließ mich dann von meiner Mutter in die Klinik bringen zu lassen.

 

Auf dem Weg dorthin zitterte ich unglaublich. Ich hatte totale Angst, was würde jetzt passieren?

Was dachten eigentlich meine Eltern wirklich? Waren sie mir böse dass ich jetzt schwach war?

Meine Mutter brachte mich dann zum Sekretariat, wo ich kurz darauf von der Krankenpflegeschülerin abgeholt wurde.

 

Sie zeigte mir mein Zimmer und dann das Krankenhaus. Meine Mutter verabschiedete sich vorher von mir und wir machten aus, dass wir abends telefonieren wollten.

Ich hatte das Glück zuerst mal alleine in einem Doppelzimmer zu sein.

 

Das Krankenhaus bzw. die Station kann man sich in etwa so vorstellen:

 

Die psychosomatische Station war im Nebengebäude, Therapeutenzimmer, die Station und der Gruppentherapieraum waren im 1.OG.

Dann waren im EG und im 1. UG verschiedene andere Praxen und im 2. UG waren dann die Therapieräume für die Tanztherapie, die Gestaltungstherapie und ein zweiter Gruppentherapieraum.

 

Der erste Gruppentherapieraum ist rund und dort stehen nur Stühle im Kreis und dann eben die Therapeutenzimmer und das war alles rechts auf dem Stock so zu sagen.

 

Und links also ziemlich abgetrennt von den Therapeutenzimmern und dem Gruppenraum war dann die Station.

Die Station kann man sich eigentlich vorstellen wie ein großes Wohnheim.

Die Zimmer kann man sich so vorstellen, man kommt rein, dann ist links oder rechts das Badezimmer und dann läuft man weiter und dann stehen links oder rechts seitlich an der Wand hintereinander zwei Betten.

Und die sind durch ein Regal voneinander abgetrennt also der eine kann den Bereich des anderen eigentlich nicht sehen, zumindest das Bett und den Schreibtisch nicht. Und gegenüber sind dann die Schränke und dann gibts noch einen Tisch, den dürfen beide nutzen.

Und dann konnte man an dem Regal noch so eine Art Trennwand rausziehen, wo man dann auf beiden Seiten eine Art Schreibtisch rausziehen konnte.

 

Die Station hat 15 Zimmer.

Die sind auch alle in einem langen Gang immer gegenüberliegend und dann gibt es da das Stationszimmer für die Pflegekräfte und dann gibt es ein gemeinsames Esszimmer mit Küchenzeile, da konnte man wenn man wollte auch richtig kochen und backen.

Da stehen drei große Tische drin, wo dann gemeinsam Mittag gegessen wird und abends saßen wir da oft zusammen oder auch tagsüber.

Und ans Esszimmer angeschlossen war dann unser "Kino" also eben der Fernsehraum.

Da stehen ein paar kleine Sessel und zwei kleine Couchs drin und dann in einem Schrank der Fernseher.

Der wurde immer um 18 Uhr aufgeschlossen und um 23 Uhr wieder zugeschlossen. Da standen auch noch ein paar Bücher, viele Gesellschaftsspiele und ein Radio.

 

Frühstück und Abendessen wurde gemeinsam in der Kantine des Krankenhauses eingenommen und es gab eine Bücherei für Patienten in der man sich Bücher, Gesellschaftsspiele und Hörbücher ausleihen konnte.

 

Nach dem Rundgang durchs Krankenhaus räumte ich in meinem Zimmer meinen Schrank ein. Ich war sehr froh, dass ich ein Zimmer für mich alleine hatte.

Eine Zimmertüre die ich schließen konnte und einfach wirklich Zeit für mich.

Das mit der Zimmertüre kannte ich schließlich nicht mehr, hatte ich doch seit unserem Umzug vor 3 Jahren keine Zimmertüre mehr gehabt.

 

Dann schaute ich mir meinen Therapieplan an und erfuhr, dass ich jetzt erstmal zum Mittagessen musste, dann musste ich zur Testdiagnostik, was auch immer das war, danach hatte ich einen Termin mit Fr. Raumann, was wohl bedeuten würde, dass sie meine Therapeutin war.

Und anschließend hatte ich Zweitsicht, ja komisches Wort und wenn man mich heute fragt, eine ziemlich komische Situation. Ich hatte mehrere Zweitsichten, denn egal wie viele man davon hat, es heißt immer Zweitsicht.

Vermutlich heißt das Zweitsicht, weil man da eben auf einmal alleine zwei Leuten gegenüber sitzt. Nämlich der Bezugstherapeutin und dem bzw. in meinem Fall der behandelnden Körperärztin.

Dann gab es Abendessen und dann musste ich noch zum Nachtdienst, dazwischen und anschließend hatte ich frei.

1 Kommentar 21.8.12 22:27, kommentieren

So meine Lieben ....

... jetzt habt ihr erfahren wie es soweit gekommen ist, dass ich in die Klinik gekommen bin.

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich von meinem Klinikaufenthalt und meinem Kampf um mein Leben - es hört sich dramatisch an aber es ist die Wahrheit - erzählen.

Ich hoffe ihr bleibt mit so einem regen Interesse wie bisher dran :-)

An alle denen es nicht so gut geht, auch wenn es oft nicht so aussieht, nach dem Regen kommt auch wieder Sonnenschein und ihr werdet irgendwann wieder glücklich sein - das weiß ich aus eigenener Erfahrung, niemals aufgeben - kämpfen und irgendwann werdet ihr gewinnen :-)

Wenn ihr Fragen habt, oder einfach Kontakt wollt, dann schreibt :-)


Eure

Lisa

1 Kommentar 17.8.12 09:41, kommentieren

Letzte Vorbereitungen

Zuerst sprach ich mit unserer Kapitänin und dann nach und nach mit dem Rest der Mannschaft.

Die Mädels wurden Zweiter und als es zur Siegehrung ging schickten sie mich um den Pokal abzuholen.

Meine Mädels versuchten mir dadurch zu signalisieren, dass ich trotzdem zu ihnen gehörte und dass ich ihnen wichtig war.

Dafür bin ich ihnen noch heute dankbar. Als ich dann nach Hause kam fühlte ich mich allerdings vollkommen erledigt.

 

Am nächsten Tag kontrollierte ich noch mal mein Gepäck und es gab auch noch ein Gespräch mit meinen Eltern, wo wir besprachen, dass mein Vater meine Mädchenmannschaft trainieren würde und dass auch er meiner Verwandtschaft von allem erzählen würde, ausgenommen meiner Schwester und meiner Großeltern, denen sollte ich noch anrufen.

Als ich diese beiden Telefonate hinter mich gebracht hatte, hätte ich mich am liebsten wieder ins Bett verkrochen, doch ich blieb stark.

Gegen Nachmittag schaute ich dann noch bei meiner zweiten Mama vorbei, aß gemeinsam mit ihr und ihrem Mann eine Pizza und sprach mich dort auch noch mal aus.

Denn nach und nach zweifelte ich wieder an meiner Entscheidung. Was war wenn die Klinik nichts bringen würde? Wer würde sich hier um alles kümmern?

Doch meine zweite Mama ließ mir keine Wahl, ich musste in die Klinik und heute bin ich ihr sehr dankbar, dass sie da kein Pardon kannte.

Als ich mich dann von ihr verabschiedete versprach sie mir, mich auch weiterhin nach Kräften zu unterstützen und ich fuhr nach Hause mit ein wenig Hoffnung in mir.

Vielleicht würde ja doch alles gut werden.

Als ich zuhause war brachte ich meine Koffer nach unten und dann brachte ich meine Nichte ins Bett.

Das war für mich sehr schwer, da die Kleine sehr weinte und auch unglaublich traurig war. Es tat mir in der Seele weh, ihr so weh zu tun, aber mir war auch bewusst, dass sie mich so vielleicht nur für ein paar Wochen verlieren würde, andersrum hätte sie mich vielleicht bald gar nicht mehr.

Dennoch war es unglaublich schwierig für mich und als sie dann endlich schlief

verabschiedete mich dann ins Bett, wo ich mich mit den allabendlichen Grübeleien rumschlagen musste.

1 Kommentar 17.8.12 09:38, kommentieren

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