Einmal kennen lernen bitte.

Ziemlich verängstigt und nervös machte ich mich also auf den Weg in die Küche, um dort Mittag zu essen.

Eigentlich war mir nicht wirklich nach Essen und am liebsten hätte ich mich einfach in meinem Zimmer verkrochen, schließlich sollte ich jetzt geschätzt zwanzig Menschen begegnen, die ich nicht kannte und das in meinem Zustand und in meiner Gefühlslage. Dann sollte ich auch noch zu dieser komischen Therapeutin, die während meines Vorgesprächs nicht mehr als drei Worte zu mir gesagt hatte und zu irgendwelchen Diagnostiken und ja, am liebsten hätte ich mich in mein Zimmer verkrochen.

Aber andersrum stellte ich mir auch die Frage, was ich dort tun sollte, schließlich hatte ich nicht mal einen Fernseher im Zimmer.

Ich bat meine Schwester mir ihren Laptop und alle DVD’ s zu bringen, die sie finden konnte. So viel freie Zeit, ich konnte mir gar nicht vorstellen, die anders zu verbringen, als mit Fernseher oder eben DVD schauen. Im Laufe der Zeit wird sich allerdings herausstellen, dass ich das Laptop dazu hatte um an meinem ersten Wochenende meine Schreiblust wiederzufinden, sie aber nach diesem Wochenende auch wieder zu verlieren und sonst gegen Ende der Therapie nutzte ich den Laptop oft zum Musik hören, die DVD’ s brauchte ich die ersten paar Tage und dann die komplette Zeit meiner Therapie nie wieder.

Aber zu aller erst dachte ich nur, oh Gott, das konnten heitere 6 Wochen werden.

 

Als ich in der Küche ankam starrten mich neugierig ein paar Gesichter an. Verschüchtert blickte ich in die Runde und überlegte einfach wieder zu gehen.

„Hallo, ich bin Thomas.“ Ein Mann mittleren Alters sah mich lächelnd an, ich erkannte ihn als denjenigen, der mir bei meinem Vorgespräch das Sekretariat gezeigt hatte.

„Lisa Hallo.“ Ich lächelte ihn vorsichtig an.

„Oh noch eine Lisa, dann sind wir jetzt ja schon zwei.“ Eine Frau, geschätzt Ende 40 lächelte mich ebenfalls nett an.

„Hallo.“ Noch immer fühlte ich mich unwohl und fehl am Platz, ich zitterte, mir war schlecht und ich wollte am liebsten einfach nur weg. Ich versuchte den Kloß in meinem Hals hinunter zu schlucken.

 

„Also, du kannst dir deinen Sitzplatz frei aussuchen und dann schreibst du auf ein Kärtchen deinen Namen und stellst es an deinen Platz, denn wenn wir das Mittagessen aus dem Wagen holen, holt immer jeder das eines anderen, damit wir uns besser kennen lernen. Hier, hier und hier sind noch Plätze frei und ich glaube da vorne auch.“ Der Mann der sich mir als Thomas vorgestellt hatte zeigte auf verschiedene Stühle und ich wählte der Einfachheit halber den mir am nächsten stehenden freien Stuhl. Ich saß also nun am mittleren der drei Tische ganz außen, was wie ich später noch feststellen würde der meiner Meinung nach beste Platz war.

Ich hatte nämlich nahezu den kompletten Raum im Blick, aber auch den Gang der zur Küche bzw. aus der Küche raus zu den Zimmern führte.

 

Die Frau die mir gegenübersaß, hieß Elke. Sie machte einen sehr netten Eindruck. Neben Elke saß die Frau, die sich mir als Lisa vorgestellt hatte und neben Lisa saß eine Frau die sich mir als Anett vorstellte und neben Anett saß Ilona. Diese Frauen und noch ein paar andere würden sich später als die Gruppe mit der ich am Anfang viel zu tun hatte, also der Gruppe mit der ich abends oft zusammen saß und mit der ich gerne mal eine rauchen ging und Ausflüge ins Kaufland unternahm herausstellen. Um nicht zu sagen, diese Frauen und noch ein paar andere würden sich für mich als Gold wert erweisen.

24.8.12 16:31

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dine (24.8.12 23:04)



Hypersensitive / Website (28.8.12 12:21)
Danke, dass du das hier alles niederschreibst.

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