Der erste Abend, der erste Frühsport und ein bisschen Klinikleben

Ich war froh als es Zeit fürs Abendessen war. Zwar war der erste Gang durch die Cafeteria ziemlich schwer, ich wusste nicht, was jetzt kostenlos war und was man bezahlen musste und auch die vielen Menschen auf einmal fand ich etwas unangenehm, doch meine Mitpatienten halfen mir durch den Büfett Dschungel und letztlich konnte ich dann das Abendessen gut aushalten.

 

 

Danach bekam ich Besuch von meiner Schwester. Ich war froh, dass sie mir DVD’ s und Laptop vorbei brachte, aber andererseits war ihr Besuch auch sehr schwer für mich. Was sollte ich ihr denn erzählen?

 

Ich war froh, dass sie relativ zügig wieder ging.

 

 

Dann ging ich ein bisschen in den Gemeinschaftsraum, an meinem Tisch saßen sie zusammen und spielten Karten. Ich setzte mich eine kurze Zeit dazu, verzog mich dann allerdings lieber in den Fernsehraum.

 

Als allerdings hier zum dritten Mal die Nachrichten liefen, entschied ich mich in mein Zimmer zurückzuziehen.

 

 

Um 20.15 Uhr meldete ich mich noch beim Nachtdienst, wo mein Blutdruck gemessen wurde.

 

Dann zog ich mich wieder in mein Zimmer zurück und schaute dort einige DVD’ s. Das Problem war, dass ich alle meine DVD’ s schon kannte. Ich entschied mich dann meine Lieblingsserie von früher „McLeods Töchter“ auf Englisch anzusehen. Irgendwann war ich dann allerdings zu müde um mich zu konzentrieren und entschied schlafen zu gehen.

 

Wieder Erwarten konnte ich auch für meine Verhältnisse schnell einschlafen. Woran das lag weiß ich bis heute nicht, aber es machte mir Mut.

 

 

Der nächste Tag begann sehr früh für mich. Um 7.30 Uhr begann der Frühsport, vorher musste ich noch zum Nachtdienst, noch mal Blutdruck messen und zur Gewichtskontrolle.

 

Ich nahm das so hin, verstand es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, da ich hart gesagt ja schließlich im Kopf krank war und nirgends sonst.

 

Also zwang ich mich so gegen 6.30 Uhr aufzustehen, den Wecker hatte ich mir schon auf 6 Uhr gestellt.

 

Ich stand im Bad und sah in den Spiegel, ich fand ich sah einfach nur fertig aus. Ich war zwar verhältnismäßig schnell eingeschlafen, aber ich war in der Nacht immer wieder aufgewacht und vor allem fühlte ich mich wie erschlagen.

 

Ich hatte tiefe Augenringe und versuchte das alles mit Schminke zu kaschieren. Schließlich musste mir man ja nicht sofort ansehen dass es mir schlecht ging.

 

 

Dann machte ich mich auf zum Stationszimmer, wo mir der Blutdruck gemessen wurde und ich gewogen wurde.

 

Ich war nicht geschockt, dass ich zugenommen hatte, denn ich hatte mich nur noch von fettigem ungesundem Zeug ernährt. Vielleicht konnte ich das ja hier ein wenig ändern.

 

 

Dann ging ich kurz in die Küche, wo mich die anderen Mitpatienten begrüßten. Und als sie sich zum Frühsport aufmachten begleitete ich sie mit einem mulmigen Gefühl.

 

Wer würde den Frühsport leiten? Einer unserer Therapeuten? Was war wenn ich nicht gut mitmachte? Was wurde dort jetzt von mir verlangt?

 

Ich war nervös und ich hatte eine Riesenangst. Aber es war gut, dass ich nicht alleine zum Frühsport musste, dadurch dass ich mich den ganzen Weg hinunter mit jemandem unterhalten konnte, konnte ich nicht so sehr viel grübeln.

 

 

Als wir dort ankamen, wurden wir von einem Physiotherapeuten begrüßt. Er erklärte uns, dass er immer bis auf Mittwochs den Frühsport leitete.

 

Er begrüßte uns neue Patienten und erklärte uns, dass es hier keinerlei Leistungsansprüche gab, dass jeder so mitmachen sollte wie er konnte. Und wenn jemand eine Übung nicht mitmachen konnte aus welchen Gründen auch immer, durfte er sie einfach abbrechen.

 

Es war Dienstagmorgen, deshalb war Meditation angesagt. Alle die zur Blutabnahme mussten, durften also nur das kurze Aufwärmprogramm mitmachen und mussten sich dann aufmachen, ich gehörte dazu.

 

Ich war aber auch nicht böse darum, denn ich konnte mir viel vorstellen, aber dass ich mich hinsetzte und meditieren würde, dass war das letzte was ich mir vorstellen konnte.

 

 

Der Frühsport hatte wenig mit Sport zu tun. Es war sehr ungewohnt. Ich kam mir phasenweise richtig blöd vor. Ich sollte mir den Körper abreiben, so wie beim Duschen. Und das Gesicht sollte ich mir selbst ausstreichen, also sanft abreiben. Ich sollte mich strecken und räkeln und komische Figuren machen.

 

Herr Gallert unser Physiotherapeut meinte was wir hier machen würde, war eine Mischung aus Yoga und Feldenkrais.

 

Es ging darum sich und seinen Körper spüren zu lernen. Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigenen Gefühle zu entwickeln.

 

 

Ich war trotzdem ziemlich froh, als ich den Raum wieder verlassen durfte, was war, wenn ich irgendwas falsch gemacht hatte und sie mich jetzt auslachen würden?

 

Dann ging ich zum Blutabnehmen, ich war gespannt, wer das machen würde. Irgendeine Krankenschwester vermutlich. Deshalb war ich leicht überrascht als mir auf einmal ein Arzt namens Dr. Maier- Lenz gegenüber stand. Ich erinnerte mich, dass ich heute bei ihm ein Vorgespräch für die Gruppentherapie hatte.

 

 

Als ich fertig war, ging ich zum Frühstück. Nach wie vor war mir die Cafeteria unsympathisch, so viele Menschen auf einem Fleck überforderten mich.

 

Außerdem sprachen die Mitpatienten beim Frühstück so viel und ich hatte das Gefühl sie erwarteten dass ich mich ebenfalls mit ihnen unterhielt, aber ich bin morgens nicht so gesprächig.

 

Nach dem Frühstück ging ich nach oben und trank in der Küche noch einen Kaffee. Ich war ziemlich müde und wusste nicht wirklich, was ich mit mir anfangen sollte, ich hatte jetzt ein Vorgespräch zur Gruppentherapie und danach hatte ich bis zum Mittagessen nichts zu tun.

 

 

Zum Vorgespräch ging ich ebenfalls wahnsinnig nervös. Diesen Arzt hatte ich ja schon bei der Blutentnahme kennen gelernt, aber trotzdem, die Gruppentherapie an sich machte mir ja schon ziemlich Angst. Da konnte ich nicht vollkommen ruhig zum Vorgespräch gehen. Und vor allem musste ich jetzt schon wieder alles erzählen?

 

 

Das Vorgespräch war dann allerdings relativ schnell vorbei, mir wurde erklärt, wie so eine Gruppentherapiesitzung abläuft, dass zwei Therapeuten dabei waren.

 

Der Dr. Maier- Lenz und der Dr. Karschner, sie leiteten die Sitzungen, sorgten dafür, dass Regeln wie dass man andere aussprechen lies, dass man sich nicht beleidigte usw. eingehalten wurden.

 

Trotzdem bestimmten die Themen der Gruppensitzungen die Patienten. Es gab auch keinen Unterschied ob man in Gruppe 1 oder Gruppe 2 war, das ging schlichtweg nach Teilnehmerzahl.

 

Als ich keine Fragen mehr hatte verabschiedete er mich und dann hatte ich frei. Es war auch niemand der anderen Patienten auf Station, da sie alle entweder bei der Tanztherapie oder der Gestaltungstherapie waren.

 

Da ich so schnell aufgenommen wurde, gab es allerdings für mich noch keinen vollständigen Therapieplan, deshalb hatte ich in der ersten Woche, vor allem in den ersten Tagen viel Freizeit.

 

 

Da ich so müde war entschied ich mich dazu, mich mit einer Tasse Kaffee in meinem Zimmer zurück zu ziehen und ein wenig DVD zu schauen.

 

Das stellte sich allerdings als ziemlich anstrengend heraus, da ich ja immer wieder aufpassen musste dass mich niemand entdeckte und deshalb beim kleinsten Geräusch zusammen zuckte.

 

Deshalb packte ich den Laptop relativ zügig wieder weg und widmete mich einem Buch, irgendwann schlief ich über diesem Buch ein, weil ich einfach so fertig war.

 

12.9.12 21:14

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dine (13.9.12 00:16)


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