Vergessene Fragebögen und eine Klingel fürs Schwesternzimmer.

Ich träumte total wirre Sachen und als ich vom Klopfen an der Türe meines Zimmers aufgewacht bin, verstand ich erst gar nicht, dass jemand in mein Zimmer kam.

 

Entsprechend erschrocken war ich, als dann Fr. Raumann in meinem Zimmer stand. „Oh entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht wecken.“

 

„Kein Problem.“ Ich war noch immer ziemlich verwirrt, hatte ich etwa einen Termin verpasst? Oh nein, was war wenn sie sauer war? Oder mir mitteilen wollte dass ich gehen musste?

 

„Diese Fragebögen, sind ein bisschen tricky ich weiß. Sie haben da eine Seite vergessen.“ Fr. Raumann zeigte mir, dass man diese Fragebögen aufklappen musste.

 

„O- okay. Entschuldigung.“ Meine Hände fingen an zu zittern, okay ich hatte keinen Termin verpasst aber das war mindestens genauso blöd.

 

„Macht nichts, bringen Sie den Fragebogen einfach mit, wenn Sie ihn ausgefüllt haben.“ Fr. Raumann lächelte mich lieb an. Und ging dann wieder. „Bis heute Mittag dann.“

 

„Bis später.“ Als sie aus dem Zimmer gegangen war lehnte ich mich erstmal in meinem Bett zurück. Ich war den Tränen nahe. War sie denn jetzt sauer wegen den Fragebögen? Wie konnte ich das nur übersehen? So was passierte auch immer nur mir. Und war es überhaupt in Ordnung, dass ich morgens um halb 11 schon wieder im Bett lag? Wollte sie dass ich aktiv war?

 

 

Keine zwei Minuten später klopfte es wieder an der Tür. Ich fing wieder an zu zittern? Wer war das jetzt?

 

„Ja.“

 

„Frau Föll, Frommer- Hamm meine Name. Sie haben geklingelt?“ Die hübsche Krankenschwester lächelte mich lieb an.

 

„Hallo. Ich hab was? Oh, ich weiß auch nicht wie, das war ausversehen. Tut mir Leid.“ Ich spürte einen dicken Klos im Hals, ich vergaß Bögen auszufüllen und jetzt klingelte ich auch noch die Schwester von der Arbeit weg, was musste man denn hier von mir denken?

 

„Kein Problem Frau Föll, da hinten an Ihrem Bett ist ein roter Knopf, wahrscheinlich sind Sie dahin gekommen. Machen Sie sich nichts draus.“ Noch immer lächelte sie mich lieb an. Die Frau war mir sofort sympathisch.

 

„Hm.“ Noch immer war ich den Tränen nahe.

 

„Was treiben Sie denn?“ Fr. Frommer- Hamm merkte wohl, dass ich ziemlich nervös war.

 

„Naja, ich versuch zu lesen. Das Problem ist, dass ich dabei immer wieder einschlafe.“ Keine Ahnung, ob sie mich beruhigen wollte oder nicht, aber zumindest hatte sie eine leicht beruhigende Wirkung auf mich. Sie sprach mit mir, wie wenn ich normal wäre.

 

„Vielleicht brauchen Sie das gerade. Versuchen Sie es einfach weiter. Was lesen Sie denn?“

 

„Ich quäl mich im Moment durch „Die dunkle Seite des Mondes“, wir müssen das für die Schule lesen.“

 

„Sie quälen sich durch? Vielleicht versuchen Sie es mit einem Buch dass Sie interessiert, für die Schule lernen können Sie auch später noch. Ich lass Sie jetzt mal wieder in Ruhe, wenn irgendwas ist, zögern Sie nicht sich im Schwesternzimmer zu melden.“ Noch mal lächelte sie mich lieb und aufmunternd an und dann verlies sie mein Zimmer. Sie hatte Recht, warum las ich eigentlich ein Buch dass mich nicht interessierte?

 

Oder würde sie das jetzt auch festhalten? Sagte das vielleicht was über mich aus, was ich nicht wollte?

 

 

Ich versuchte mich trotz allen Grübeleien wieder auf das Buch zu konzentrieren, scheiterte aber leider. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, zu viel ging mir durch den Kopf.

 

Deshalb war ich sehr froh, als die Tanztherapie aus war und ein Teil meiner Mitpatienten nach oben kam und sich im Gemeinschaftsraum einfand. Ich hatte mich ein paar Mitpatienten angenähert, deshalb hatte ich jetzt ein wenig Unterhaltung.

 

Aber man musste auch aufpassen, worüber man sprach, weil keine Gruppentherapie außerhalb der Gruppe stattfinden sollte. Wir konnten von unseren Problemen erzählen ja, aber es war wichtig, dass wir andere nicht belasteten oder dass wir uns belasten ließen.

 

 

Langsam begann ich mich mit dem Gedanken hier zu bleiben anzufreunden. Aber maximal 6 Wochen, danach wollte ich wieder leben können.

 

Nach dem Mittag kam dann die erste Chefarztvisite.

 

Ich war nervös. Was wollte denn dieser Chefarzt jetzt von mir?

 

Die anderen Patienten hatten auch viel erzählt, dass sie nie wussten was sie ihm erzählen sollten und dass sie die Visite nicht sonderlich mochten.

 

Der Mann sah einem wohl an wie es einem wirklich ging und man konnte ihm nichts verheimlichen, wenn man meinen Mitpatienten glaubte.

 

16.9.12 18:35

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dine (17.9.12 00:08)


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