Und los geht es mit der Entspannung.

Aber als sich ein Teil meiner Mitpatienten aufmachte ihr Zeug zu holen raffte auch ich mich auf. Ich fragte vorsichtig Elke, die Frau die mir gegenüber saß, was ich denn alles brauchen würde, es war mir sehr peinlich dass ich fragen musste, wenn das jemand vom Pflegeteam mitbekommen würde wären sie bestimmt sauer auf mich. Schließlich musste ich doch wissen was ich mitbringen sollte oder etwa nicht? Ich ging mit Elke den Flur hinunter, sie hatte ihr Zimmer nahe meinem. Derweil erklärte sie mir, dass ich ein Kissen und die Wolldecke die ich von zuhause mitbringen sollte mit zur Progressiven Muskelentspannung, kurz zum PMR oder wie meine Mitpatientin Ilona zu sagen pflegte zum „Pennen“ mitnehmen musste. Dann machten wir uns in einer kleinen Gruppe auf zum PMR, Tina, Elke, Ilona, Franzi, Wolfgang, Hakan und ich. Sie nahmen mir etwas die Nervosität, ich war nämlich extrem nervös, denn ich wusste ja nicht, was jetzt auf mich zukam. Wir gingen wieder zu dem Raum in dem der Morgensport stattfand und der wie mir Elke erklärte auch der Raum für die Tanztherapie war. Das PMR wurde von der Tanztherapeutin geleitet, die Frau, ihr Name war Lachenmann, war mir im ersten Moment ziemlich suspekt. Sie verkörperte durchaus das ein oder andere Klischee einer Therapeutin. Anfangs war es auch ziemlich schwer für mich mit ihr umzugehen, nicht wegen dem PMR, eher wegen der Tanztherapie, aber dazu später mehr. Bei der progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobson handelt es sich um ein Verfahren, bei dem durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden soll. Dabei werden nacheinander die einzelnen Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung wird kurz gehalten, und anschließend wird die Spannung gelöst. Die Konzentration der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen. Ziel des Verfahrens ist eine Senkung der Muskelspannung unter das normale Niveau aufgrund einer verbesserten Körperwahrnehmung. Mit der Zeit soll die Person lernen, muskuläre Entspannung herbeizuführen, wann immer sie dies möchte. Zudem sollen durch die Entspannung der Muskulatur auch andere Zeichen körperlicher Unruhe oder Erregung reduziert werden können wie beispielsweise Herzklopfen, Schwitzen oder Zittern. Darüber hinaus können Muskelverspannungen aufgespürt und gelockert und damit Schmerzzustände verringert werden. Natürlich hatte ich vorher schon im Internet gelesen, was PMR bedeutete und dank Wikipedia wusste ich zumindest ein wenig Bescheid darüber, was passieren würde, doch so wie das PMR war hatte ich es mir definitiv nicht vorgestellt. Der Raum in dem das PMR, die Tanztherapie und auch der Morgensport stattfanden war groß, wenn man rein kam war links eine Fensterfront. Dann war erstmal einfach ein großer Raum. Am Ende des Raumes stand der Schreibtisch unserer Tanz- und Körpertherapeutin Frau Lachenmann. Davor stand ein großes Regal das den Schreibtisch vom Rest des Raumes abtrennte. Gegenüber von dem Schreibtisch von Frau Lachmann war noch ein kleiner Raum in dem Gymnastikmatten lagerten. Als ich zum PMR in den Raum kam lagen die Gymnastikmatten entlang der Fensterfront und entlang der gegenüberliegenden Wand in einer Reihe verteilt. Das hatte ein wenig was von Schullandheim. Die Mitpatienten die ebenfalls zum PMR gingen setzten sich auf ihre Matten. Frau Lachenmann begrüßte mich und sagte ich sollte mir ebenfalls eine Matte aussuchen. Ich suchte mir die Matte zwischen Elke und Tina an der Fensterfront aus und hoffte, dass ich jetzt niemandem seinen Platz weggenommen hatte. Als alle da waren begrüßte Frau Lachenmann alle und hieß Hakan, Wolfgang und mich Willkommen, da wir heute zum ersten Mal dabei waren, dann fragte Frau Lachenmann nach ob jeder sich an seinem Platz wohl fühlte und bat uns dann, uns alle auf den Rücken zu legen und uns mit unseren Wolldecken zuzudecken. Dann legte sie entspannende Musik auf und wir sollten die Füße aufstellen und sie dann langsam von links nach rechts wiegen. In der Mitte sollte man bewusst kurz anhalten. Ich versuchte währenddessen zu entspannen, war aber die ganze Zeit eigentlich damit beschäftigt, mir zu überlegen, ob ich alles richtig machte.

11.10.12 19:07

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dine (13.10.12 21:34)
Ich finde es total Interessant geschrieben. Und lese es verdammt gerne


Marion / Website (17.2.13 14:15)
Ein wirklich sehr eindrucksvoller Beitrag der Aufzeigt wie sehr dich das alles bewegt haben muss. Ich möchte mich an der Stelle einmal bei dir Bedanken, dass du mich und alle anderen Leser an deinen Gefühlen und Erlebnissen teilhaben lässt. Das erfordert (so denke ich zumindest) einiges an Mut und dafür hast du zumindest meinen vollen Respekt!

Beste Grüße und alles Liebe
Marion

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