Entspannend ist anders...

So nachdem ich einige Zeit pausiert hab, einfach weils mir nich so gut ging, jetzt ein neuer Teil :-) 

 

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Als nächstes sollten wir unsere Füße flach ablegen, unsere Hände auf den Bauch legen und ruhig ein- und ausatmen und uns dabei vorstellen, unser Bauch wäre eine Ballon, der sich immer auf und ab bewegte.

Währenddessen ging Frau Lachenmann zu jedem Einzelnen hin und fasste an die Füße, wer das nicht wollte sollte ihr das kurz deutlich machen.

 

Sie fing auf der mir gegenüberliegenden Seite an, während sie so von Patient zu Patient ging war ich unheimlich nervös. Warum fasste sie uns an die Füße? Wollte ich das? War sie böse wenn ich nein sagte? War es gut wenn ich beim ersten Mal nein sagte?

Als die Therapeutin dann bei mir ankam war ich zu überrumpelt um irgendwie abzulehnen. Letztlich ging es nur darum, die Füße zu entspannen. Was zwar vielleicht leicht gesagt ist, ich aber selbst heute oftmals noch nicht wirklich hinbekomme.

 

Nachdem Frau Lachenmann ihre Runde gedreht hatte, ging es weiter, mit dem Teil, bei dem ich mir in den kompletten 8 Wochen meiner Therapie total bescheuert vorkam. Irgendwann würde ich aber lernen, diesen Teil einfach auszublenden. Aber dazu später mehr. Für den Moment kam ich mir einfach nur blöd vor, aber das konnte ich ja schlecht sagen und ich kam auch nicht auf die Idee, nicht mitzumachen, obwohl Frau Lachenmann vor Beginn des PMR ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass wir nur das machen sollten womit wir uns wohl fühlten.

 

Also lag ich auf meiner Gymnastikmatte und schmatzte, so wie es unsere Therapeutin wollte. Dann machte ich Geräusche wie ein Karpfen im Wasser. Ich runzelte die Stirn und strich sie in Gedanken wieder glatt und ich rümpfte die Nase um sie dann in Gedanken wieder glatt zu streichen. Ich grub mir in Gedanken mit dem Po eine Kuhle in die Matte wie im warmen Sand und ich versuchte mich tiefer ins Kissen fallen zu lassen. Ich kreiste die Schultern ich weichen Bewegungen und ich versuchte noch tiefer ins Kissen zu fallen. Ja, das hört sich alles etwas komisch an. Und genauso fühlte es sich auch an, aber ich machte mit, obwohl ich mich total unwohl dabei fühlte. Perfekte Grundlage um zu entspannen nicht?

Ich war froh als dieser Teil vorbei war. Dann ging es zur aktiven Muskelentspannung. Wir spannten zuerst nacheinander die Füße an, dann nach einander die Arme. Zum Schluss sollten wir den kompletten Körper anspannen und dann wellenförmig wieder entspannen. So sollten wir lernen auch mal los zu lassen, zu entspannen und uns fallen zu lassen. Ich versuchte alles, aber ich schaffte es nicht, nach der Anspannung wieder zu entspannen, weder bei den Füßen, noch bei den Armen, noch als wir den ganzen Körper anspannten und genau das sorgte dann wieder für noch mehr Anspannung, weil ich versuchte dass irgendwie vor meiner Therapeutin zu verstecken, schließlich machte ich ja Fehler wenn ich hier nicht entspannte, oder warum hieß es sonst Entspannungstherapie?

 

Nachdem wir alle Anspannungen wieder los gelassen hatten oder wie in meinem Fall nur versuchten sie zu verstecken sollten wir uns eine bequeme Position suchen und einfach entspannt der Musik zu hören. Einschlafen war erlaubt, aber keine Pflicht.

Ich drehte mich zur Seite und hoffte dass ich wenigstens jetzt ein wenig runter kam, ich stand unter Strom, alles was ich mir seit Wochen wünschte war ein wenig Entspannung und Ruhe, aber ich schaffte das ja noch nicht mal bei der Entspannungstherapie. Mir war zum Weinen, aber ich suchte mich eine bequeme Position und versuchte mich zum Entspannen zu zwingen. Erfolglos wie ich ca. 20 Minuten später feststellen würde, als unsere Therapeutin uns bat langsam wieder „zu uns zu kommen“ und uns nach und nach wieder aufzusetzen.

 

Ich setzte mich schnell auf und war froh, dass diese Zeit der Stille vorbei war. Es war absurd, ich wünschte mir so sehr einfach Ruhe zu haben und mal wieder ein wenig runterzukommen aber wenn ich dann Ruhe hatte und wirklich schöne Entspannungsmusik lief, dann zitterte ich so lange bis ich mich aufrichten durfte. Ich war verzweifelt. Was sollten sie hier von mir denken? Wenn ich nicht mal die meiner Meinung nach einfachste Aufgabe, einfach mal zu entspannen nicht schaffte? Aber ich musste jetzt stark sein. Denn Frau Lachenmann fragte nun jeden in dieser Runde ob er ein wenig entspannen konnte. Ich unterdrückte meine Tränen und sagte ihr dass ich entspannt hatte. Sie war erfreut darüber und ermunterte mich mir selbst auf die Schulter zu klopfen, denn es war ungewöhnlich dass man beim ersten Mal entspannen konnte.

Dieser Satz drehte mir den Magen fast um. Jetzt hatte ich wahrscheinlich wieder was falsch gemacht. Würden sie jetzt glauben, dass ich die Probleme nur vorspielte?

Ich kommentierte Frau Lachenmanns Ermunterung mit einem „Hm“ versuchte zu lächeln und schaute dann zu Boden, ich war fix und fertig und hatte keine Ahnung wie ich mich verhalten sollte.

Nachdem alle gesagt hatten, wie ihnen die Entspannung gelungen war räumten wir unsere Matten auf und ich verließ dann schon fast fluchtartig den Raum um eine Rauchen zu gehen. Ich unterdrückte die Tränen und als ich am Raucherplatz angekommen war zog ich zitternd an meiner Zigarette, die mir half meine Tränen zu unterdrücken.

Dann zog ich mich auf mein Zimmer zurück, telefonierte mit meiner zweiten Mama, die mir Mut zu sprach und danach machte ich mich gemeinsam mit Elke, Ilona, Anett, Lisa, Tina und den anderen auf den Weg zum Essen. Ich fühlte mich wohl in ihrer Gesellschaft, sie lachten, sie hatten Spaß, dass tat auch mir sehr gut. Außerdem half mir das Dabeisein in der Gruppe dabei durch den Dschungel der Cafeteria zu kommen. Für den Abend luden mich Elke und die Anderen zum Karten spielen ein. Ich wusste nicht ob ich kommen wollte, es reizte mich sehr, die Gesellschaft meiner Mitpatienten und Rauchgefährten tat mir gut, aber ich war nicht so gut im Karten spielen, was war wenn sie mich dann nicht mehr mochten?

Lange saß ich in meinem Zimmer und überlegte ob ich mit den anderen Karten spielen gehen sollte. Ich entschied mich zuerst meiner Familie anzurufen und dann in die Küche zu gehen und mir zumindest mal anschauen, wie das Spiel so ging, ich war ja schließlich nicht blöd, vielleicht würde es mir ja gut tun.

 

Zuerst musste ich aber zuhause anrufen. Eigentlich hatte ich ja nicht wirklich Lust dazu, meine Eltern würden dann nur Fragen was es denn neues gab und ich konnte ihnen doch noch nicht wirklich was erzählen. Aber ich musste anrufen, denn ich wollte unbedingt mit meiner Nichte sprechen, hören ob es ihr gut ging, ihr sagen, dass sie mir fehlte.

 

Nach ca. einer Viertelstunde hatte ich es dann hinter mir. Ich hatte mit meinen Eltern kurz gesprochen und dann telefonierte ich noch ein paar Minuten mit meiner Kleinen. Ich rief dann noch kurz meiner besten Freundin an, aber da sie nicht wirklich viel Zeit hatte machte ich mich dann relativ schnell auf in die Küche wo schon ein paar zusammen saßen.

Ich gesellte mich dazu und sah ihnen eine Weile beim Karten spielen zu. Die Atmosphäre war gut, ich fühlte mich nach und nach wohler.

Nach einer gewissen Zeit spielte ich sogar dann noch ein bisschen mit ihnen. Dann wurde es mir allerdings zu viel und ich verzog mich auf mein Zimmer, wo ich duschen ging und mich dann ins Bett legte. Ich war ziemlich fertig von diesem Tag. Die ständig neuen Aufregungen, diese vielen neuen Leute, die Schwestern waren alle lieb, die die ich kennen gelernt hatte zumindest, aber nahezu jedes Mal wenn ich am Schwesterzimmer vorbei ging oder wenn ich auf dem Flur eine der Schwestern traf, fragte mich eine wie es mir ging, stellte sich mir eine vor oder lächelte mich nett aber immer fragend an. Einerseits tat es gut, dass ich wichtig war, dass man sich für mich interessierte und dass man sich um mich sorgte, aber andererseits war ich total überfordert.

Ich konnte doch nicht ständig erzählen dass es mir nicht gut ging, ich konnte ja nicht mal erklären warum das so war. Irgendwann würden die mich doch sicherlich auch als nervend empfinden oder mich für bekloppt halten. Aber andererseits wie sollte mir geholfen werden wenn ich nicht aufmachte? Über meine Gefühle sprach? Und konnte das mit meiner Therapeutin überhaupt was werden? Konnte die mir wirklich helfen? Warum konnte ich ihr nicht einfach vertrauen? Warum gab es immer diese quälend langen Schweigephasen in den Therapiegesprächen? Bestimmt weil ich nicht einfach erzählte, sondern immer sehr mit meinen inneren Kämpfen beschäftigt war. Aber wenn das so weiter ging, würde sie mich sicherlich bald loswerden wollen. Diese Gedanken quälten mich, dann dachte ich wieder über meine Familie nach, mir fehlte meine Nichte. Mein kleiner Sonnenschein und ich hörte in jedem unserer Telefonate, dass sie mich vermisste. Würde sie das durchstehen? Wie sollte ich die 6 Wochen hier durchstehen? Einerseits fühlte ich mich hier recht wohl, ich kam wider Erwarten sehr gut mit meinen Mitpatienten klar, hatte mich recht gut in die Gruppe eingefunden. Andererseits fehlte mir meine Nichte und mir fehlte das zusammen sein mit meinen Freunden. Mit meiner zweiten Mama. Mir fehlte es, dass mich meine beste Freundin einfach mal in den Arm nahm.

Diese Gedanken kreisten mir durch den Kopf immer wieder aufs Neue. Ich drehte mich von der einen Seite auf die andere. Dann legte ich mich wieder auf den Rücken, wieder auf den Bauch, wieder auf die Seite. Als ich auf die Uhr sah, musste ich feststellen dass ich mich jetzt schon über eine halbe Stunde im Bett quälte. Irgendwann stand ich auf und ging in die Küche, wo bis elf Betrieb war. Dort machte ich mir einen Fencheltee und setzte mich zu den anderen vor den Fernseher. Ich war zu müde um mich zu konzentrieren also ging ich nachdem ich meinen Tee getrunken hatte wieder auf mein Zimmer und beschäftigte mich mit meinem Laptop. Da ich aber irgendwann auch hierfür zu müde war legte ich mich wieder hin und versuchte zu schlafen. Doch in dem Moment in dem ich das Licht ausschaltete gingen die Grübeleien wieder los, sodass ich erst einige Zeit später einschlief.

 

Am nächsten Morgen wachte ich wie gerädert auf. Ich war fix und fertig als ich gegen sechs Uhr wach wurde. So wie ich mich fühlte konnte ich unmöglich aufstehen, doch wenn ich nicht aufstand, wären alle sauer auf mich und ich würde meine Therapie nicht nutzen. Mit diesen Gedanken quälte ich mich eine geschlagene Dreiviertelstunde bis ich schließlich gegen 6:45 Uhr endlich aufstand und mich im Bad anfing zu schminken und meine Haare zu glätten um die Spuren der Nacht wenigstens ein wenig zu kaschieren.

Danach ging ich mit den anderen zum Frühsport. Der wurde heute von einer Physiotherapeutin namens Inge geleitet. Sie erklärte uns zuerst, dass der Frühsport bei ihr ein wenig aktiver gestaltet wurde, dass aber auch hier galt, wir sollten nur das machen wobei wir uns wohl fühlten. Inge war mir unsympathisch, warum kann ich bis heute nicht erklären, aber sie war mir unsympathisch. Ich brachte also den Frühsport wenn auch mehr schlecht als recht hinter mich um mich dann nach 30 Minuten modifiziertem Yoga und Gymnastik um acht Uhr gemeinsam mit den anderen auf den Weg zum Frühstück zu machen. Wie die anderen sagten mussten wir uns heute beeilen, da wir um 8.40 Uhr Stationsgespräch hatten und um 9 Uhr war ja dann Gruppe. Also beeilten wir uns mit dem Frühstück. War mir gar nicht so Unrecht wenn ich ehrlich war, da ich sowieso nicht wirklich der Mensch war, der lange fürs Frühstück brauchte. Morgens wollte ich meine Ruhe und nicht großartig rumquatschen. Nach dem Frühstück ging ich gemeinsam mit Elke und den anderen Rauchern noch gemütlich eine rauchen und dann gingen wir zum Stationsgespräch. Das war dreimal in der Woche, montags, mittwochs und freitags. Ich war relativ nervös, aber meine Mitpatienten erklärten mir, dass es eigentlich nur darum ging, Neuzugänge zu begrüßen und Abgänge zu verabschieden, wenn es welche gab. Außerdem konnte man anmerken, wenn im Zimmer was kaputt war, wenn in den Gemeinschaftsräumen was kaputt war oder das ein oder andere Mal gab es auch Diskussionen, wenn der Küchendienst nicht klappte, denn es war so, dass jeden Tag zwei andere Patienten Küchendienst hatten, also die Spülmaschine ein- und ausräumen mussten und die Tische abwischen sollten nach dem Mittagessen, bei manchen klappte das super, bei anderen auch wieder nicht. Aber sonst war das Frühgespräch ziemlich entspannt oder wie manche meiner Mitpatienten auch meinten unnötig. Ich war nervös, aber auch gespannt. Was mich aber viel nervöser machte war dass ich danach zum ersten Mal Gruppentherapie hatte und dass beispielsweise Elke, Hakan und Lisa, die wohl in meiner Gruppe waren überhaupt keine Lust hatten auf die Gruppentherapie. Dass machte mich wesentlich nervöser, weshalb ich mich auch nicht so gut aufs Stations- oder auch Frühgespräch konzentrieren konnte.

Ich bekam zwar mit, dass ich offiziell willkommen geheißen wurde, aber alles andere ging ziemlich an mir vorbei.

Als wir uns dann fünf vor neun aufmachten zum Gruppentherapieraum zitterte ich mal wieder ziemlich und die Unlust meiner beiden Weggefährtinnen Lisa und Elke machte das nicht wirklich besser. Aber ich versuchte offen in die Gruppe zu gehen. Beim Vorgespräch hatte ich ja einen der Gruppentherapeuten kennen gelernt und der schien eigentlich ganz nett zu sein, womit ich mich versuchte ein wenig zu beruhigen.

 

Der Raum wurde uns von der Sekretärin die grade zufällig vorbei kam geöffnet, sodass wir schon mal reingehen konnten. Ich ging als letzte rein, damit ich sehen konnte wo alle saßen, schließlich wollte ich niemandem den Platz wegnehmen. Als ich hinein kam waren im Stuhlkreis noch drei Plätze frei, ich entschied mich für den zwischen Wolfgang und Gaby. Der Stuhl stand gegenüber der Türe und nachdem ich mir diesen Platz ausgesucht hatte stellte ich fest dass die beiden noch freien Stühle sich gegenüber standen und meine Mitpatienten erklärten mir, dass das die Plätze der Therapeuten waren, die auch kurz darauf den Raum betraten und die Türe schlossen.

18.11.12 22:18

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dine (19.11.12 22:46)



Verena / Website (12.2.13 18:40)
Ach Mensch, es ist echt immer wieder etwas „mau“ wenn die Entspannung so ganz und gar flöten geht. Aber Kopf hoch du weißt doch wie das ist im Leben, wenn es mal richtig böse Dunkel kommt, dann weißt man aber zugleich auch, dass irgendwann die Sonne wieder kommt. Ich weiß total klischeehaft dieser Spruch, aber er stimmt da kann man sagen was man will!

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